Berlin : Mörder war auf Bewährung frei

Verurteilungen wegen Totschlags und Missbrauchs einer Zwölfjährigen / Erstmals Tötung durch DNA-Abgleich geklärt / Weiterer Fall geklärt

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Der mutmaßliche Mörder von Weißensee saß schon einmal wegen Totschlags im Gefängnis. Er war zur Bewährung auf freiem Fuß, weil er im Dezember 1995 im Vollrausch einen Zechkumpanen erschlagen hatte. Der 32-jährige Oliver Alt, der am 10. August den 63-jährigen Günther R. erstach und dessen 42-jährige Ehefrau lebensgefährlich verletzte, hatte zudem als 17-Jähriger 1987 in Mitte eine Zwölfjährige vergewaltigt. Ein DDR-Gericht verurteilte ihn damals zu 20 Monaten Haft. Nach der Tötung seines Kumpanen in einer Wohnung in Prenzlauer Berg wurde er zu 4,5 Jahren verurteilt. Von denen saß er nur zwei Jahre im Maßregelvollzug. Der Rest der Strafe war bis 2004 zur Bewährung ausgesetzt worden. Da nach dem Totschlag eine DNA-Probe in der zentralen Kartei des Bundeskriminalamtes gespeichert worden war, konnte Oliver Alt jetzt relativ schnell überführt und am Sonnabend festgenommen werden. Nach Angaben der Polizei ist es der erste Mord in Berlin, der durch einen DNA-Abgleich geklärt wurde. Am Sonntag erließ ein Richter Haftbefehl gegen den Beschuldigten.

Das Motiv der jüngsten Tat ist noch offen. In seinem Geständnis sagte Alt zwar, dass er in „Bereicherungsabsicht“ in die Villa eingedrungen ist, sagte Chefermittler Klaus Ruckschnat gestern – aufgefallen sei er wegen Raubtaten bislang allerdings nicht. Mitgenommen aus der Villa hat der Täter auch nichts. Deshalb ermittelt die 8. Mordkommission intensiv weiter zum Motiv. Die Kripo fragt jetzt, wer Alt kennt oder ihn am 10. August in der Nähe des Tatortes am Bundenbacher Weg in Weißensee gesehen hat.

Ruckschnat dementierte Berichte, dass der Mörder die 16-jährige Tochter des Paares kannte und sie in der Villa überfallen wollte. Dies hatte eine Boulevardzeitung gestern berichtet. „Es ist definitiv falsch, dass Alt längere Zeit dem Mädchen nachgestiegen ist“, sagte Ruckschnat. Den sexuellen Missbrauch der Zwölfjährigen dürfe man nicht überbewerten, sagte Ruckschnat. Der 32-Jährige habe keine Person der Familie gekannt, betonte der Ermittler. So habe die Ehefrau, bevor sie das Bewusstsein verlor, lediglich „Ausländer – Notarzt“ gerufen und nicht den Namen des Mörders; Oliver Alt hat eine dunkle Hautfarbe. Die 42-Jährige liegt weiter mit lebensgefährlichen Verletzungen im künstlichen Koma. Wie in Weißensee war der Verdächtige auch 1995 äußerst brutal vorgegangen. Nach Angaben von Justizsprecherin Faust hatte er am 7. Dezember in einer Wohnung in Prenzlauer Berg einen Bekannten mit den Händen totgeprügelt.

Auch in einem eineinhalb Jahre zurückliegenden Raubmord war die Kripo jetzt erfolgreich. Am 22. August wurde ein 22-Jähriger festgenommen, der gestanden hat, am 31. Januar vergangenen Jahres einen 28-Jährigen erschlagen, beraubt und in den vereisten Springpfuhl am Helene-Weigel-Platz in Marzahn geworfen zu haben. Nach der Tat hatte die Polizei nicht einmal klären können, ob ein Verbrechen vorliegt. Die Leiche wies viele Verletzungen auf, da der Mann aber 4,4 Promille Alkohol im Blut hatte, hätten sie auch von einem Sturz stammen können; die Obduktion brachte keine Klarheit. Die Staatsanwaltschaft hatte daher ihre Ermittlungen eingestellt. Die Kripo machte jedoch weiter und befragte die Zeugen, die mit dem Opfer vorher an einem Kiosk gezecht hatten, immer wieder – bis sie sich in Widersprüche verstrickten. Ein 22-Jähriger aus Marzahn gestand daraufhin, den 28-Jährigen mit einem 25-jährigen Komplizen beraubt und getötet zu haben. Gegen beide wurde Haftbefehle wegen Mordes erlassen.

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