Berlin : MondeundSternensuppe

Thomas de Padova erzählte Tagesspiegel-Lesern Geschichten von Meteoriten und Asteroiden

Tilmann Warnecke

Wie nah uns das Weltall ist, erfuhren die Berliner erst diese Woche. Ein Meteorit, hieß es, hatte Kurs auf die deutsche Hauptstadt genommen. Das sollte nicht weiter verwundern, erklärte Thomas de Padova, Wissenschaftsredakteur des Tagesspiegels, am Donnerstagabend seinen Zuhörern im Palais am Festungsgraben. Schließlich fielen von den Himmelskörpern jeden Tag fünf Lkw-Ladungen an Staub und Steinchen auf die Erde.

Da schauten manche Gäste, die zur Reihe „Zeitung im Salon“ gekommen waren, neugierig an sich herunter. Wer weiß schon, ob der Fussel auf dem Hemd nicht in Wirklichkeit ein kosmisches Staubkorn ist? In 40 kurzen, pointierten Geschichten hat de Padova in seinem Buch „Am Anfang war kein Mond“ (Klett-Cotta-Verlag) die Geheimnisse des Weltalls erklärt. Einige davon trug er im Palais vor, passend ausgewählt zur Meldung der Woche. Zum Beispiel über den Peekskill-Meteoriten, der 1992 den Chevrolet einer jungen Amerikanerin durchschlug. Die Vielfalt der Asteroiden brachte der Autor den Zuhörern nahe wie gute Freunde: Der Asteroid Castalia gleicht einer Erdnuss, Eros der Insel Sylt, und Mathilde ist nach vielen Zusammenstößen mit anderen Himmelskörpern so durchlöchert wie ein Schweizer Käse.

„Woher kommt die Faszination für die Himmelskörper?“, fragte Hartmut Wewetzer, Leiter des Tagesspiegel-Ressorts Wissen und Forschen. „Es ist ein besonderer Reiz, die Physik im ganz Kleinen und im ganz Großen zu erkunden“, antwortete der diplomierte Physiker de Padova. „Es ist aber eine Illusion, dass man die Welt einfach erklären kann, wenn man diese extremen Standpunkte einnimmt.“ Die Gäste im Palais wussten, welche Faszination von der Erforschung des Universums ausgehen kann. „Entstand das Weltall wirklich aus dem Nichts, oder war der Urknall ein Zündfunke für bereits vorhandene Elementarteilchen?“, fragte ein Gast. Da musste de Padova passen. „Genaue Informationen aus der Entstehungszeit unseres Universums liegen Wissenschaftlern einfach nicht vor.“

Sternchen-Suppe und KartoffelLauch-Gratin mit Rote-Bete-Sternen, serviert von den literarischen Köchen von „eßkultur“, und die Musik des Pianisten Matthias Klünder regten die Diskussionen zusätzlich an. Die Grundschullehrerin Bärbel Joel, die mit ihrer Tochter Marieke kam, unterrichtet in ihrer Erdkunde-Klasse demnächst das Thema Sonnensystem. „Da nehme ich gute Anregungen mit nach Hause“, sagte sie. Schade, dass beim Heimweg Regenwolken den Himmel über Berlin verdeckten. Die Gäste hätten die Sterne sonst wahrscheinlich mit ganz anderen Augen gesehen.

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