Berlin : Monika Grütters, Kulturmanagerin

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Die gelockten blonden Haare, die strahlenden blauen Augen, der braune Teint – Monika Grütters ist eine auffällige Erscheinung in der Berliner Kulturszene. Sie stammt aus Münster, aus einem braven katholischen Haus am Stadtrand. Der Vater war Arzt, sie war die Älteste von fünf Geschwistern. Ihr Abi hat sie 1981 dort am Bischöflichen Mädchengymnasium gemacht. Eine „starke Affinität zur Kirche“ hat sie auch heute noch.

Germanistik, Kunstgeschichte und Politik waren ihre Fächer – erst in Münster und ab 1984 in Bonn. An der Bonner Oper war sie „nebenher“ in Dramaturgie und Pressearbeit aktiv. Mit der Wende zog sie nach Berlin: Ofenheizung im Wedding, halbtags „Öffentlichkeitsarbeiterin“ im Technikmuseum. Wichtigstes Projekt: Restaurierung der Quadriga. Seit 1991 wirkte sie auch als Lehrbeauftragte und Honorarprofessorin an der Musikhochschule Hanns Eisler. Besonders prägend war die Zeit als Pressesprecherin von WissenschaftsSenator Manfred Erhardt. Da muss sie der „politische Virus“ erwischt haben. Volker Hassemer konnte sie deshalb 1993 als CDU-Kandidatin für Wilmersdorf gewinnen – und sie „gewann“. Ihre Lust auf Macht und Machen brachte sie in den Landesvorstand der Union und zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden.

„Einfach ein Glücksfall“, sei für sie die Gründung der Stiftung Brandenburger Tor durch die Bankgesellschaft Ende 1997 gewesen. Heute würden dort wohl kaum 30,5 Millionen Euro für „Bildung, Wissenschaft und Kultur“ gestiftet werden. „Eine mutige Entscheidung damals.“ Das gilt auch dafür, dass sie als Quereinsteigerin „zum Vorstand der heute fünftgrößten operativen Stiftung in Deutschland“ gemacht wurde. Ihr Kunstkonzept für den Hauptsitz der Bank am Alexanderplatz und ihr erfolgreiches Kultur-Sponsoring hatte offenbar überzeugt.

Mit zwei Mitarbeiterinnen und einem Etat von knapp einer Million Euro im Jahr bewegt sie seitdem für die Stiftung viel: Mit Ausstellungen, Gesprächsrunden und Konferenzen hat sie mehr als 200000 Menschen in das Liebermann-Haus am Brandenburger Tor „gelockt“, wo sie auch ihr Büro hat.

Wie es mit ihrer politischen Kariere weitergeht, weiß (oder sagt) sie nicht. Sie sei keine „Kampfhenne“, arbeite aber gerne in der Exekutive. „Wissenschaft und Kultur“ erreichten in Berlin noch immer nicht die notwendige Aufmerksamkeit. Mehr professionell ausgebildete Kulturmanager brauche die Stadt.

Heik Afheldt war Herausgeber von „Handelsblatt“, „Wirtschaftswoche“ und dem Tagesspiegel.

Monika Grütters (42), Literatur- und Kunsthistorikerin. Im Vorstand der Stiftung „Brandenburger Tor“,

Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und des Kulturausschusses.

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