Berlin : Montags-Demo im Funkhaus

RBB-Mitarbeiter protestieren gegen Aus für Abendschau-Moderator Jan Lerch

Lars von Törne

Sie verstehen es nicht. „Warum?“, haben einige RBB-Mitarbeiter auf weiße Zettel geschrieben. Andere haben nur ein Fragezeichen draufgemalt. Knapp 200 Fernseh- und Radioleute drängeln sich am Montagmorgen vor dem gläsernen Konferenzraum der „Abendschau“ und wollen eine Antwort. Drinnen findet eine Krisensitzung mit Fernseh-Chefredakteurin Petra Lidschreiber statt, die erste von vielen an diesem aufgewühlten Tag im RBB-Haus an der Masurenallee.

Die Kollegen draußen vor der Glasscheibe sind verärgert und verängstigt zugleich. Sie wollen wissen, wieso die Chefredaktion den beliebten Moderator Jan Lerch, eines der Aushängeschilder des öffentlich-rechtlichen Senders und streitbarer Kämpfer für Mitarbeiterrechte, zum Jahresende nicht mehr als Moderator weiterbeschäftigen will.

„Jan Lerch bleibt!“, hatten sie zuvor in Sprechchören gerufen, als die Chefredakteurin in die Sitzung geeilt war, ohne ein Wort zu verlieren. Auch hinterher wird sie zur nächsten Krisenrunde eilen, ohne das „Warum?“ zu beantworten. „Ich habe nichts zu sagen“, sagt sie nur und verweist auf die Erklärung der RBB-Führung, Lerchs Vertrag werde aus „unternehmensinternen“ Gründen nicht verlängert.

Das stellt an diesem Tag keinen zufrieden. Für viele Mitarbeiter ist klar, was die Geschäftsleitung strikt zurückweist: Lerch wurde gemaßregelt, weil er sich als Vertreter im Redakteursausschuss zu sehr für die Belange freier Mitarbeiter einsetzte. So wie zuvor auch sein Kollege Jürgen Schäfer, der ebenfalls für jene kämpfte, die keine festen Verträge haben und die beim RBB Schätzungen zufolge die Hälfte der Mitarbeiter stellen.

„Wenn wir es nicht schaffen, Jan Lerch zu halten, haben wir bald einen Sender, in dem nur noch Obrigkeitshörigkeit zählt“, ruft ein Mitarbeiter in einer der vielen improvisierten Protest-Ansprachen an diesem Tag. Die Kollegen applaudieren, die Stimmung ist kämpferisch. „So was habe ich in 35 Jahren Betriebszugehörigkeit nicht erlebt“, sagt einer.

Eskaliert war der Konflikt vergangene Woche. Da hatte es, wie berichtet, Streit um eine Mitarbeiterversammlung gegeben. Kurz darauf wurde Lerch mitgeteilt, seine Zeit als Moderator sei vorbei. Die Geschäftsleitung warf ihm „Illoyalität“ vor. Was sich dahinter verbirgt, ist bis heute auch für Lerch ein Rätsel, sagt er.

Um eine Antwort zu erhalten, stapfen die Protestierer am Montag schließlich in den 13. Stock des Funkhauses, vor das Büro von Intendantin Dagmar Reim. Dort treffen sie auf Fernsehdirektor Gabriel Heim und Verwaltungsdirektor Hagen Brandstäter. Ein Wortgefecht entspinnt sich, die Direktoren wollen zu Details nichts sagen, die Stimmung ist gereizt. Nach einem scharfen Wortwechsel ziehen sich die Mitarbeiter zurück.

Am Nachmittag dann ein Vermittlungsversuch. Chefredakteurin und Fernsehdirektor setzen sich mit Mitarbeitervertretern zusammen. „Antworten auf unsere Fragen haben wir nicht bekommen“, sagt hinterher eine Teilnehmerin. „Um Lerch zu schützen“, hätten seine Vorgesetzten keine Details mitgeteilt. Einige RBBLeute ziehen daraufhin zur Sitzung des Pogrammausschusses, der am Nachmittag tagt, um weiter zu protestieren.

Lerch hat sich derweil einen Anwalt genommen, mit dem er gegen seine Vorgesetzten wegen Rufschädigung vorgehen will. Der Protest soll in den nächsten Tagen weitergehen, zum Beispiel mit einer außerordentlichen Mitarbeiterversammlung am Donnerstag.

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