Berlin : Moral in der Politik?: Man kennt sich eben

Ulrich Zawatka-Gerlach

Klaus Wienhold und Werner Gegenbauer sind alte Bekannte. Wienhold ist Geschäftsführer des Immobilienunternehmens Aubis und durch eine Parteispende an den CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky fast schon prominent. Gegenbauer hat der Berliner CDU auch gespendet, 26 500 Mark im Jahr 1999, aber ihn kennt man auch so. Als Präsident der Industrie- und Handelskammer, als Aufsichtsrat von Hertha BSC, als Schirmherr der Aktion "Computer in die Schulen" und als Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Gegenbauer Bosse. Ein bundesweit agierender Gebäude-Dienstleister mit 14 000 Mitarbeitern.

Weniger bekannt ist, dass Gegenbauers Firmen in Cottbus, Leipzig und Görlitz im Auftrag der Firma Aubis Plattenbauwohnungen betreuen. In Görlitz seit Mai 1998, wie Herr Altmann bestätigt, der dort eine Mietervertretung mit aufgebaut hat. Zum Beispiel die Außenanlagen werden von Gegenbauer gepflegt. Manchmal mehr schlecht als recht, beklagt Altmann. "Man muss immer hinterher sein." Aber das ist nicht der Punkt. Das Problem ist eher, dass Gegenbauer, dessen Firmen nach eigenem Bekunden "seit ungefähr 1996" von Aubis Aufträge annehmen, gleichzeitig im Aufsichtsrat von Aubis saß. Von November 1998 bis Januar 2001. Außerdem wird der Vorwurf erhoben, der von Gegenbauer angebotene Hauswarts- und Grünflächenservice für Aubis erfolge zu weit überhöhten Preisen. Teilweise für 35 Pfennig pro Quadratmeter. Üblich sei etwa die Hälfte.

Gegenbauer reagiert sehr gelassen auf die Vorhaltungen. Ja, selbstverständlich habe er in den genannten Städten "Lieferantenverhältnisse" zu Aubis gehabt und deren Wohnungen betreut. Dass er als Auftragnehmer gleichzeitig, jedenfalls zeitweise, auch im Aufsichtsrat saß, "darüber muss gesprochen werden, ganz klar." Aber es sei nichts Ehrenrühriges. Die Preise, die seine Unternehmen in Cottbus, Leipzig und Görlitz nähmen oder genommen hätten, kenne er nicht. Da müsse er in die Unterlagen schauen. "Dass die Preisgestaltung in dieser Situation, nach den Diskussionen der letzten Wochen, ins Gerede kommt, ist wohl unausweichlich." Er persönlich habe an Vertragsverhandlungen mit Aubis nie teilgenommen. "Aber ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich von Aubis wohlwollend behandelt wurde."

Man kennt sich eben. Man kannte sich schon lange. Wienhold oder dessen Geschäftspartner Neuling habe ihn Ende 1998, als die Lage für Aubis kniffelig war, in den Aufsichtsrat geholt. "Das war kein Zuckerschlecken", sagt Gegenbauer. So gesehen, hat er Wienhold schon zum zweiten Mal einen guten Dienst erwiesen. Denn der ehemalige Spandauer CDU-Abgeordnete Wienhold war - 1992 bis 1994 - bei Gegenbauer als Geschäftsführer angestellt. Und wie es manchmal so kommt, wurde im Frühjahr 1995 in der Spandauer Altstadt die Parkraumbewirtschaftung eingeführt und den Zuschlag erhielt die Custos GmbH, an der wiederum Gegenbauer beteiligt war. Die Grünen sprachen damals von "Filz" und warfen dem alteingesessenen Spandauer CDU-Politiker Wienhold vor, seinem ehemaligen Arbeitgeber behilflich gewesen zu sein. Aber vielleicht ist alles nur üble Nachrede.

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