Berlin : Mord auf Friedhof ist aufgeklärt

Mysteriöser Messerstecher hatte Bezirksamtsangestellte getötet

Jörn Hasselmann

Einer der spektakulärsten Mordfälle der vergangenen Jahre ist aufgeklärt. Am 30. Dezember 2003 wurde ein Deutscher festgenommen, der gestanden hat, im Jahr 2002 auf einem Neuköllner Friedhof die damals 48-jährige Dagmar Piechowski erstochen zu haben. Gegen den Mann wurde am Silvestertag Haftbefehl erlassen, er sitzt jetzt in Untersuchungshaft in Moabit. André Rauhut, Leiter der Mordkommissionen, bestätigte entsprechende Tagesspiegel-Informationen. Dagmar Piechowski war am 21. Juli 2002 auf dem Friedhof an der Lilienthalstraße mit einer Vielzahl von Messerstichen getötet worden. Für die 7. Mordkommission ein schwieriger Fall: keine Beziehungstat, kein Sexualmord, kein Raub, kein vorheriger Streit. Zeugen gab es ebensowenig wie ein Motiv.

Die Bezirksamtsangestellte ging auf dem Friedhof ihrem Hobby nach – Gräber fotografieren – als sie der Mann erstach. Wie immer alleine war die Frau mit ihrem blauen Moto-Guzzi-Motorrad, einer ausgedienten italienischen Polizeimaschine, von ihrer Wilmersdorfer Wohnung zum Friedhof gefahren. Dort wollte sie endlich das Denkmal für die Trümmerfrauen fotografieren. Sie wartete einen Regenschauer ab und ging dann mit ihrer Spiegelreflexkamera auf den am Sonntagmittag menschenleeren Friedhof. 15 Mal drückte sie auf ihren Auslöser. Dann stach der Täter zu. Die Kamera ließ er liegen. Ein Spaziergänger in der Hasenheide hörte noch Schreie, helfen konnte er nicht mehr. Als der Ohrenzeuge näher kam, war der Mörder weg. Auch ein Notarzt konnte Frau nicht mehr helfen.

Als die 7. Mordkommission mit den Ermittlungen beginnt, stößt sie durch Zeugenaussagen schnell auf den mutmaßlichen Täter: Viele Besucher der Friedhöfe um den Südstern haben in der vergangenen Zeit einen blonden, verwirrt wirkenden Mann beobachtet, einen großen Blonden mit Geheimratsecken. Der soll an anonymen Gräbern laut gebetet haben, immer wieder unmotiviert seine Jacke an und ausgezogen haben, immer wieder Besucher nach der Uhrzeit gefragt haben. Ein Wirrkopf offensichtlich, den viele Zeugen als „bedrohlich“ schilderten. „Den kriegen wir bald“, hieß es in den ersten Tagen. Irrtum. Keiner wusste etwas über den Verwirrten. 5000 Euro Belohnung wurden ausgesetzt, vergeblich. Knapp 200 Hinweise gingen ein, keiner führte zum Täter.

Heute will die Justiz nun offiziell die Verhaftung und deren Umstände bekannt geben - verbunden mit einem Aufruf an einen Bekannten des Mannes, sich zu melden. Dieser Mann soll den Ermittlern das plötzliche Geständnis des Festgenommenen bestätigen. „Der zweite Mann wird als Zeuge gesucht, nicht als Beschuldigter“, sagte Kriminaloberrat Rauhut am Sonntag.

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