Berlin : „Mord empört auch Schüler“

Wie türkische Blätter über den offenen Brief des Neuköllner Schulleiters berichten

Suzan Gülfirat

Auch in der vergangenen Woche war der Mord an Hatun Sürücü ein Thema in türkischen Zeitungen. Die junge Mutter wurde am 7. Februar auf offener Straße erschossen, ihre drei Brüder sitzen inzwischen als Verdächtige in Haft. Am Mittwoch zeigte die Hürriyet auf der Titelseite ihrer Europa-Beilage eine Aufnahme, auf der der Leser sehen konnte, wie vier Männer auf dem Landschaftsfriedhof Gatow einen Sarg in die Erde lassen. Darunter zeigte die Zeitung noch einmal das Foto, auf dem Hatun Sürücü zärtlich umschlungen mit ihrem sechsjährigen Sohn zu sehen ist. „Lebe wohl, Mutter Hatun“, schrieb die Zeitung zu diesen Bildern.

Der Mord und die zustimmenden Reaktionen mancher türkischer Schüler bewegten und empörten offenkundig auch viele Journalisten der Hürriyet. Die Geschichte über den Offenen Brief von Volker Steffens brachte die Zeitung sogar auf der Titelseite. Der Leiter der Thomas-Morus-Hauptschule hatte sich an die Öffentlichkeit gewandt, weil einige seiner Schüler den Mord gutgeheißen hatten. „Widerstand gegenüber lobenden Äußerungen zum Ehrenmord“, titelte Hürriyet den bebilderten Anriss.

Diesem Thema wurde fast die ganze Titel-Seite der Europa-Beilage gewidmet. Überschrift: „Gutheißende Äußerung über Ehrenmord schockiert Deutschland“. „Lehrer sind entsetzt, weil einige türkische Schüler Verständnis gegenüber Ehrenmord zeigen“, hieß es auch im Aufmacher der Milliyet. Zugleich betonte sie, auch viele türkische Schüler verurteilten den Mord. „Jeder soll so leben können, wie er will“, werden Jugendliche zitiert.

Die Türkiye, die viele religiöse Leser hat und anfangs nur Meldungen gebracht hatte, berichtete nun mit Fotos. Titel: „Hinter den Kulissen einer Bluttat.“

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