Berlin : Mord für ein Abendbrot? Sechs Jugendliche wegen Tötung eines Rentners vor Gericht

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Sie hatten Hunger, aber wieder mal kein Geld. Da beschlossen zwei aus der Clique, einen Stock tiefer zum Nachbarn zu gehen, um Essen zu besorgen. Als sie kurze Zeit später gemeinsam mit ihren Freunden die Tortellini aus seinem Kühlschrank aßen, lag der 58-jährige Rentner in seiner Wohnung in der Charlottenburger Helmholtzstraße im Sterben. Seit gestern wird der als „Tortellini-Mord“ bekannt gewordene Fall vor dem Landgericht aufgerollt. Zwei Jugendliche müssen sich wegen Raubmordes verantworten, vier weitere – darunter zwei Mädchen – wegen gemeinschaftlichen Raubes.

Laut Anklage traten der 17-jährige Patrick und der 18-jährige Bernd die Wohnungstür ein und schlugen sofort mit Fäusten auf den überraschten Mann ein. Sie wussten, dass er pflegebedürftig war und sich nicht mehr gut bewegen konnte. Patrick soll mit einer Thermoskanne und einem Einkaufs-Handwagen auf den Rentner eingeschlagen haben. Die beiden leerten den Kühlschrank und nahmen den Fernseher mit. Ihre vier Freunde sollen von dem Überfall gewusst haben.

Ratlosigkeit angesichts der Brutalität herrschte am Rande des Prozesses. „Ich kann mir das einfach nicht erklären“, sagte die Mutter einer 18-Jährigen und weinte. Eine Anwältin meinte: „Die Angeklagten lebten in den Tag hinein, es war niemand da, der für sie verantwortlich war, und sie wollten auch niemanden." In der Ein-Zimmer-Wohnung eines der Angeklagten ließen sie die Tage an sich vorbei ziehen, tranken, rauchten Haschisch, hockten vor dem Fernseher und hielten sich mit Kleinkriminalität über Wasser. Der Prozess läuft aus Gründen des Jugendschutzes weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Kerstin Gehrke

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