Berlin : Mord im Nagelstudio: Ehemann auf Bahnhof festgenommen

Holger Stark[Christian van Lessen]

Zwei Tage nach dem blutigen Sprengstoffanschlag auf einen Kosmetiksalon hat die Polizei den Ehemann der getöteten Frau festgenommen. Der Mann wurde nach Tagesspiegel-Informationen am Sonnabendmorgen gegen 5.45 Uhr auf dem Bahnhof Frankfurt (Oder) gefasst, als er mit dem Zug nach Berlin reisen wollte. Der Ukrainer wird laut Justizsprecherin Anja Teschner verdächtigt, einen bislang noch unbekannten Täter beauftragt zu haben, seine 36-jährige Ehefrau zu töten. Bei dem Anschlag an der Passauer Straße in Schöneberg waren am Donnerstagabend eine Frau getötet und vier Menschen verletzt worden.

Die Polizei hatte bereits kurz nach der Tat vermutet, dass es sich um eine Beziehungstat handelt. Der maskierte und schwer bewaffnete Täter hatte den Salon in der Passauer Straße in der Nähe des KaDeWe am Donnerstag gegen 18.30 Uhr betreten. Er schoss auf eine Angestellte, die etwa eine Stunde später an ihren schweren Verletzungen starb. Beim Herausgehen ließ der Täter einen Sprengsatz detonieren, durch den vier Frauen - Kundinnen und Angestellte - verletzt wurden. Die Opfer kommen überwiegend aus Osteuropa.

Wer vermummt in einen Laden gehe, kurz "Kasse" rufe und anschließend erst gezielt schieße und dann eine Sprengladung zünde, sei nicht auf Beute aus, so die Polizei. Allerdings hatten die Ermitter auch eine Schutzgelderpressung nicht ausgeschlossen - schließlich ist der Inhaber des Nagelstudios, ein weiterer Ukrainer, gleichzeitig auch Besitzer mehrerer Spielsalons.

Die Beamten wussten schon früh, dass der 48-jährige Ehemann der Getöteten zum Tatzeitpunkt nicht in Berlin war - möglicherweise, um ein "wasserdichtes" Alibi zu haben, wie die Ermittler vermuten. Dass der Mann selbst der Täter sein könnte, halten die Fahnder für sehr unwahrscheinlich. Neben dem Aufenthalt in der Ukraine spreche dagegen auch die Täterbeschreibung, die auf einen jungen Mann hindeute.

Der Festgenommene bestreite bislang eine Tatbeteiligung, hieß es gestern. Er soll am Sonntag einem Haftrichter vorgeführt werden. Der Mann wurde gefasst, als er mit einem Zug aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew kam. Freunde des Ehepaars berichteten, der Mann soll seine Frau zuvor mehrfach bedroht haben. Die 36-Jährige habe sich von ihm scheiden lassen wollen. Die Beamten glauben allerdings nicht an eine Affekthandlung aus Eifersucht, da die Frau keine neue Beziehung geführt habe.

Die Polizei hatte bereits unmittelbar nach der Tat am Donnerstagabend von einem offensichtlich zielgerichteten Anschlag gesprochen. Der Tatort liegt nahe dem Kurfürstendamm. In der Umgebung haben sich russische Einwanderer, Kaufleute und Künstler eine Heimat geschaffen.

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