Mord in der Charité : Kommission überprüft Vorwürfe von Kollegen

Die Berliner Charité will in einer Untersuchungskommission den Vorwürfen des Pflegepersonals im Mordprozess um die Krankenschwester Irene B. nachgehen.

Berlin - Es müsse geprüft werden, ob es versäumt worden sei, den Warnsignalen der Kollegen nachzugehen, sagte der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei.

Die 54-Jährige Krankenschwester muss sich derzeit wegen Mordes an sechs Patienten vor dem Berliner Landgericht verantworten. Zu Prozessauftakt räumte sie ein, vier Patienten durch eine Medikamentenüberdosis getötet zu haben. Am vergangenen Mittwoch hatten Kollegen der Angeklagten ausgesagt, dass es Beschwerden über sie gegeben habe, die offensichtlich folgenlos blieben.

Die Krankenschwester soll sich auch ärztlichen Anweisungen widersetzt und Patienten rabiat behandelt haben. Zeugen sagten zudem aus, dass Patienten ohne ärztliche Anweisung Medikamente verabreicht worden seien.

Vorgänge "verlässlich und objektiv untersuchen"

Der Vorstand des Krankenhauses werde nun eine Kommission berufen, der neben einem Intensivmediziner auch ein Arbeitsrechtexperte und ein Ethiker angehören, sagte Frei. Sie würden die Vorgänge auf der kardiologischen Intensivstation "verlässlich und objektiv untersuchen". Zudem sollten sie arbeitsrechtliche und mögliche organisatorische Konsequenzen empfehlen.

In einer ersten Reaktion auf die vor Gericht geäußerten Anschuldigungen ist nach Charité-Angaben die pflegerische Stationsleitung suspendiert worden. Der Mitarbeiterin komme auf Grund ihrer Funktion eine besondere Rolle zu, die sie "bei den im Raum stehenden Vorwürfen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr erfüllen kann". (tso/ddp)

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