Berlin : Mordanschlag auf Ex-Rockerchef Ehemaliger Hells Angel bei Strausberg verletzt

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Auf einen früheren Chef der Berliner Hells Angels ist nach Tagesspiegel-Informationen ein Mordanschlag verübt worden. Der 50-jährige Holger B. war Präsident des Ost-Berliner Charters, also der örtlichen Dependance der Rockerbruderschaft, deren Vereinsheim sich in Hohenschönhausen befindet. B. wurde in der Nacht zu Montag auf seinem Grundstück in Altlandsberg bei Strausberg von einem Bekannten gefunden, den er zuvor noch via Handy alarmiert hatte. Offenbar hatten Unbekannte am Sonntagabend auf den Ex-Hells-Angels-Chef eingestochen, der mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik gebracht wurde. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) bestätigte, dass dem Rocker in Beine und Oberkörper gestochen worden war. Es wird wegen versuchten Mordes ermittelt. B. soll vor etwa drei Jahren wegen Unregelmäßigkeiten in der Vereinskasse unehrenhaft aus der Bruderschaft entlassen worden sein: Im Status „Bad Standing“, wie es im Milieu heißt, bei den Hells Angels rauszufliegen, kann unangenehme Folgen haben. Mitglieder der Vereinigung dürfen nach Rockerlogik einen derart Entlassenen demütigen. Noch ist unklar, ob es sich bei dem Angriff um Rache handelte, da B. schon lange nicht mehr Mitglied der Angels ist. Im Berliner Nachtleben war der Mann aber auch in den vergangenen Jahren noch präsent – so soll er Umgang mit Männern aus dem Umfeld einschlägig bekannter arabischer Familien und mit konkurrierenden Rockern gehabt haben.

Racheaktionen an Abtrünnigen sind unter Rockern nicht unbekannt. In einer Augustnacht 2009 trafen Kugeln den 33-jährigen Kampfsportler Michael B. in Berlin-Wartenberg, außerdem wurde auf ihn eingestochen. Michael B. schleppte sich blutend 200 Meter, bis er neben seinem Wohnblock liegen blieb und im Krankenwagen starb. Der Schwergewichtler habe die Hells Angels verlassen wollen und sich mit den konkurrierenden Bandidos getroffen, hieß es. Ein Verdächtiger hatte sich nach einem Jahr gestellt – die Behörden haben gegen den Rocker aus Eberswalde aber offenbar kaum etwas in der Hand. Sicherheitsexperten forderten 2010 ein Verbot von Bandidos und Hells Angels. Sie sprachen von Revierkämpfen im Rotlichtmilieu. Rocker arbeiten oft als Türsteher lukrativer Diskotheken – auch weil sie als Einlasser bestimmen, welche Geschäfte dahinter stattfinden. Hannes Heine

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