• Mordanschlag auf früheren Fluchthelfer Dieter P. Opfer schwebt in Lebensgefahr. Ein weiterer Tötungsfall in Spandau

Berlin : Mordanschlag auf früheren Fluchthelfer Dieter P. Opfer schwebt in Lebensgefahr. Ein weiterer Tötungsfall in Spandau

Jörn Hasselmann

Mysteriöser Mordanschlag in Neukölln: Ein Unbekannter hat am Mittwoch, 40 Minuten nach Mitternacht, auf der Weitbrucher Straße fünf Schüsse auf Dieter P. abgefeuert. Dieter P. ist in Berlin ein vielfältig beschriebenes Blatt: Nach dem Mauerbau organisierte P. spektakuläre Fluchten, in den 80er Jahren gab es gegen ihn einen ebenso spektakulären Prozess mit anschließender Verurteilung wegen Computerkriminalität.

Als Motiv für die nächtlichen Schüsse vor P.’s Bungalow nahe der Stadtgrenze reicht der Mordkommission dieser schillernde Lebenswandel nicht. „Das Motiv liegt nicht in der Vergangenheit“, ist Chefermittler Konrad Zehnpfenning überzeugt. Doch ein anderes Motiv mag die Kripo auch nicht nennen. Derzeit soll P. mit einem Sicherheitsdienst in Brandenburg sein Geld verdienen. Anwohner hatten die Schüsse gehört und waren sofort auf die Straße gerannt. Sie fanden den Mann blutüberströmt. Nach Angaben der Kripo schwebte der 52-Jährige gestern Mittag weiter in Lebensgefahr. Unklar war gestern, ob der unbekannte Schütze Dieter P. bei der Heimkehr abgepasst oder ob er an dem Einfamilienhaus geklingelt hatte. Gesehen hat den Täter niemand. Unklar ist auch, ob er zu Fuß oder mit einem Auto vom Tatort flüchtete.

1984 war P. verurteilt worden in einem Prozess, der in der Computerbranche bundesweit Aufsehen erregt hatte. Der Konzern Apple hatte gegen Dieter P.s Firma geklagt, weil dieser Geräte nachgebaut und die Software mitkopiert haben soll. Dieter P. dagegen behauptete damals im Prozess vergeblich, dass die Geräte und die Programme Eigenentwicklungen seien.

Ein zweites Tötungsverbrechen ereignete sich in der Nacht in Spandau. Gegen 2.30 Uhr fand die Feuerwehr vor einer Telefonzelle im Burscheider Weg einen aus dem Hals stark blutenden 35-Jährigen. Dieser hatte selbst noch den Notrufknopf betätigen können; als der Notarzt eintraf, war der Mann allerdings tot. Gestern Vormittag rief seine Frau bei der Polizei an. Sie berichtete vom Streit mit ihren Mann. Obwohl sie keinen Aufenthaltsort angegeben hatte, konnte die 35-jährige Juliane M. wenig später bei einer Bekannten in Moabit festgenommen werden. Die Polizei hatte über die Telefonnummer die Adresse herausgefunden. Juliane M. wurde gestern Nachmittag von der 6. Mordkommission vernommen. Wie es hieß, soll sie mit einem Küchenmesser zugestochen haben. Der Schwerstverletzte schleppte sich danach noch 400 Meter bis zur Telefonzelle. Nachdem die Feuerwehr den Mann gefunden hatte, konnte die Polizei anhand der Blutspur auf dem Asphalt dann den Tatort finden.

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