Mordprozess : Freundin erstochen - angeblich aus verletzter Ehre

Mit dem Koran in der Hand stellte sich Kadir B. der Polizei. Kurz zuvor hatte der 39-Jährige seine Freundin erstochen. Jetzt steht er vor Gericht. Die Familie des Opfers droht mit Rache.

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Berlin - Einen Koran hielt Kadir B. in der Hand, als er sich zwei Stunden nach der Tat der Polizei stellte. In dem reich verzierten Buch lag ein Brotmesser. Es war die Tatwaffe. Der 39-jährige B. soll seine Freundin umgebracht haben, weil er sich in seiner Ehre verletzt fühlte. Nervös wirkte er, als der Mordprozess begann. Ihm gegenüber saß der Vater der Getöteten. B. weiß, dass es in dessen Familie bedrohlich brodelt. „Es wird Rache geben, das ist nicht schön, aber ich kenne meine Söhne“, sagte der Vater am Rande der Verhandlung.

Kadir B. stach am Morgen des 31. Mai 2011 in Lichtenrade zu. Es geschah in der Wohnung der Frau, die er drei Jahre zuvor in einem Café kennengelernt hatte. „Es gab ein Hin und Her in der Beziehung“, sagte der Angeklagte. Zwar habe er schon mal Drohungen wie „ich bringe dich um“ ausgestoßen, habe es aber nicht so gemeint. „In meinem Kulturkreis sagt man das so, ohne es zu tun“, erklärte der türkischstämmige Mann.

An jenem Morgen hatte er Dilek T. von der Frühschicht als Putzkraft abgeholt. Sie hatten Sex, sie stritten danach wieder. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich die zweifache Mutter endgültig von B. trennen wollte. Der gelernte Maler und Lackierer, der mit einer anderen Frau verheiratet ist, habe das nicht akzeptieren wollen. Er sah sich laut Anklage erheblich in seiner Ehre verletzt und habe Besitzansprüche erhoben. Zweimal stach Kadir B. zu, traf Herz und Lunge.

„Es war ein Blackout“, ließ er über einen seiner Anwälte erklären. Dilek T. habe ihn wie oft zuvor der Wohnung verwiesen. Er habe das Messer genommen, um ihr „einen Schrecken einzujagen“. Sie aber habe sich „herabwürdigend“ über ihn geäußert. „Du bist kein richtiger Mann“, lachte sie ihn nach seiner Version aus. Sie habe gedroht, von einem sexuellen Übergriff, den er als Sechsjähriger in der Türkei erleben musste, allen zu berichten. „Die Anspielung auf den Vorfall in der Kindheit war zu viel für mich“, stöhnte der Angeklagte. Er habe sich dafür geschämt, alles sei hochgekommen. „Meine Tat aber bereue ich wie ein Hund“, versicherte Kadir B.. K.G.

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