Mordprozess : Mutmaßlicher Polizistenmörder widerruft Geständnis

Im Prozess um den Mord an dem Polizeibeamten Uwe Lieschied hat sich der mutmaßliche Todesschütze vor dem Berliner Landgericht von seinem früheren Geständnis distanziert.

Berlin - Der Anwalt des 40-Jährigen gab am ersten Prozesstag an, sein Mandant sei bei der Vernehmung "gedemütigt und in die Enge getrieben worden". Er habe aus Angst "einfach alles erzählt, was die Vernehmer hören wollten". Auch der 30-jährige Mitangeklagte ließ über seinen Verteidiger erklären, er sei an der Tat im Frühjahr in Neukölln nicht beteiligt gewesen. Die beiden türkischstämmigen Männer müssen sich wegen gemeinschaftlichen Mordes verantworten. Daneben wird den Angeklagten auch versuchter Mord, schwerer Raub sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen.

Der zweifache Vater Lieschied war am 17. März im Dienst durch einen Kopfschuss getötet worden. Gemeinsam mit zwei Kollegen war er am Abend als Zivilstreife in Neukölln unterwegs, als die Beamten in der Fontanestraße auf die offensichtlich flüchtenden Angeklagten aufmerksam wurden und die Verfolgung aufnahmen. Als sich die Polizeibeamten zu erkennen gaben, soll der 40-jährige Angeklagte ohne Vorwarnung acht Schüsse auf das spätere Opfer und einen Kollegen abgefeuert haben. Der Polizist wurde von einer Kugel in die linke Schläfe getroffen. Er starb vier Tage später an den schweren Verletzungen.

Der Staatsanwaltschaft zufolge hatten die mit einer Schusswaffe, Elektroschocker und Pfefferspray ausgerüsteten Angeklagten kurz zuvor eine 51-jährige Frau überfallen und 50 Euro erbeutet. Etwa eine Woche nach dem Mord an dem Polizeibeamten wurden die Angeklagten festgenommen. Während der mutmaßliche Todesschütze im Ermittlungsverfahren die Schüsse gestand und die Polizei zum Versteck der Tatwaffe führte, äußerte sich der 30-jährige Mitangeklagte nicht. An dem Verfahren nimmt auch die Ehefrau des Opfers als Nebenklägerin teil. (tso/ddp)

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