Mordprozess nach 26 Jahren : Kriminaltechnik brachte 45-Jährigen vor Gericht

26 Jahre Jahre nach dem Raubmord an einer 76-jährigen Frau, führte die verfeinerte Kriminaltechnik zur Festnahme des Angeklagten.

Kerstin Gehrke
Personifikation der Gerechtigkeit: Justitia
Personifikation der Gerechtigkeit: JustitiaFoto: picture alliance / dpa

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Raubmord an einer 76 Jahre alten Frau wurde Miklos P. aus Sicht der Anklage von der Vergangenheit eingeholt. Für den 45-Jährigen, der keinerlei Vorstrafen hat, klickten auf der Straße die Handschellen. „Ich wurde aus dem Leben gerissen“, sagte er am Montag vor dem Landgericht. „Aber ich bin nicht schuldig, mit dem schrecklichen Vorfall habe ich nichts zu tun.“

Die Berliner Mauer war gerade gefallen, als der damals 19-Jährige den Mord an Hildegard Zeise in Neukölln begangen haben soll. Am 20. November 1989 gegen 13 Uhr habe er die Rentnerin in ihrer Wohnung erwürgt, um Geld und Schmuck zu rauben. Von Mord aus Habgier und zur Verdeckung einer anderen Straftat geht die Anklage aus.

Der Fall wurde erneut geprüft

Miklos P. stammt aus Ungarn. Weil er damals eine Ost-Berlinerin liebte, war er in der Stadt. Als die Mauer fiel, lernte er vor einer Apotheke Hildegard Zeise kennen. Sie erzählte danach Bekannten, sie habe einem „ausgehungerten“ jungen Mann ein Hähnchen spendiert. Sie nahm ihn mit in ihre Wohnung. „Ich besuchte sie noch einmal“, sagte der Angeklagte. Am Tattag aber sei er nicht bei der Rentnerin gewesen. „Meine damalige Freundin und ich sind nach Ungarn geflogen“.

Nach dem Mord konnte zunächst kein Verdächtiger ermittelt werden. Der Fall wurde aber – wie bei ungeklärten Verbrechen üblich – erneut geprüft. 1993 geriet Miklos P. erstmals unter Verdacht. „Vieles sprach dafür, dass er es war, aber die Beweise reichten nicht“, sagte der Ankläger. Die verfeinerte Kriminaltechnik führte 25 Jahre nach der Tat zur Festnahme. Unter den Fingernägeln der Toten war DNA-Material sichergestellt worden – das nun zugeordnet werden konnte. Eine „Mischspur“ erhärtete den Verdacht gegen den Angeklagten.

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