Berlin : Mordprozess nach Gasexplosion: Das mögliche Motiv bleibt unklar

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Viel Gutes berichteten Zeugen über den Mann, der aus Sicht der Ermittler für eine heftige Gasexplosion in seinem Mietshaus verantwortlich ist. „Willi war als Handwerker der Liebling im Haus, immer hilfsbereit“, sagte ein Rentner. „Der hat geackert von morgens bis abends, aber er wurde nicht richtig bezahlt“, schätzte ein anderer Nachbar ein. Wilfried K., in seinem Umfeld auch „Gas-Willi“ genannt, hörte es schweigsam. Der 53-jährige Gas-Wasser-Installateur steht seit Donnerstag wegen Mordversuchs mit gemeingefährlichen Mitteln vor dem Landgericht.

Der Mieter aus dem dritten Stock soll nicht fahrlässig gehandelt haben. Er habe am 12. August das Gasrohr zur Therme in der Küche seiner Wohnung an der Straße Alt-Friedrichsfelde bei geöffnetem Gashahn abgeschraubt, heißt es in der Anklage. Um 15.18 Uhr kam es zur Explosion. Die Wucht sprengte Zimmerwände und Teile des Dachbodens heraus, Trümmerteile flogen auf das Dach eines benachbarten Seitenflügels und in den Innenhof. K. habe Kinder, die bis kurz vor der Detonation im Hof gespielt hätten, und weitere Personen gefährdet, heißt es in der Anklage. Als Fachmann seien ihm die verheerenden Auswirkungen einer Gasexplosion bekannt gewesen.

Wilfried K., damals der einzige Mieter in seinem Seitenflügel, wurde verschüttet und schwer verletzt. Schnell verdichteten sich die Hinweise, dass das Unglück durch Manipulationen an der Gastherme ausgelöst wurde. Die Rohrzange lag noch auf dem Herd. Bislang aber liegt ein mögliches Motiv im Dunkeln. Einem Bekannten, der ihn nach seiner Inhaftierung besuchte, sagte er: „Ich weiß nicht, wie das passiert ist.“ Wollte sich der Mann, der wohl schon seit Jahren keinen festen Job hatte, das Leben nehmen? „Auf keinen Fall“, waren sich mehrere Zeugen einig. Wenn sie bei der Hausverwaltung anrief, sei schließlich K. gekommen und habe stets gewissenhaft gearbeitet, sagte eine Nachbarin. „Wer ihn genau schickte, weiß ich nicht.“ Es sei damals nicht viel passiert in dem Altbau mit häufig wechselnder Hausverwaltung.

Einen richtigen Vertrag hatte K. wohl nicht, vermutete einer der Zeugen. Mehrfach aber habe K. geklagt: „Was soll ich machen, ich muss gebrauchte Teile einbauen.“ Kerstin Gehrke

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