Berlin : Mordprozess nach Schüssen auf Ex-Freundin und Schwester

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Berlin - Die Trennung lag 15 Monate zurück, aber Mehmet Ö. ließ seine Ex- Freundin nicht in Ruhe. Er tauchte vor der Bäckerei in der Neuköllner Flughafenstraße auf, die sie und ihre Schwester eröffnet hatten, Anzeigen wegen Nachstellung beeindruckten ihn nicht. Am 16. Januar soll er die 33-jährige Nura H. und deren 38-jährige Schwester regelrecht hingerichtet haben. Im Prozess wegen Doppelmordes hat Ö. am Dienstag die Aussage verweigert.

Der 45-Jährige ist geschieden und zweifacher Vater. Vorstrafen hat der einstige Friseur nicht. Ö. galt als gesellig. Der türkischstämmige Mann und Nura H. hatten sich etwa 2009 kennengelernt. Sie traten gemeinsam in Bars als Musiker auf. Er trommelte, sie sang. Viel Geld kam nicht zusammen. Mehmet Ö. bezog Hartz IV. Ein Musikerkollege soll ihn als beruflich nicht gerade engagiert beschrieben haben. Um nicht durch das Job-Center vermittelt zu werden, sei er zu Ärzten gegangen, berichtete der Zeuge. Im Sommer 2011 trennte sich Nura H: In ihrem Leben gab es einen anderen Mann.

Die Schwestern warteten auf Kunden, als er am Morgen das Geschäft betrat. Er soll seiner Ex-Freundin aus nächster Nähe in den Hinterkopf geschossen haben. Dann habe er auf den Kopf der Schwester gezielt und abgedrückt – laut Anklage, „um von ihr ungestört weitere Schüsse auf Nura H. abgeben zu können“. Acht Mal schoss er noch auf die am Boden Liegende. Die Mutter eines Kindes starb sofort. Die ältere Schwester starb am nächsten Tag im Krankenhaus.

Mehmet Ö. wurde noch am Tatort gefasst. Zur Tat äußerte er sich nicht. Er sprach von fehlender Erinnerung und berief sich auf den Konsum von Alkohol und Kokain. Ö. sagte aber: „Sie war meine große Liebe, mit dem Tod endet diese Liebe.“ Eine Polizistin sagte aus: „Er sagte, er fühle sich psychisch nicht gut, gewirkt hat er aber nicht so.“ Der Prozess geht am 21. August weiter. Kerstin Gehrke

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