Berlin : Mordprozess neun Jahre nach der Tat

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Die Berliner Justiz musste lange auf Melanio P. warten. Vor neun Jahren soll der Mann aus der Dominikanischen Republik blutige Spuren in der Stadt hinterlassen haben. Das Opfer, ein Kolumbianer, war am 13. Juni 1995 bis zur Unkenntlichkeit verbrannt in der Rixdorfer Straße in Mariendorf gefunden worden. Von dem verdächtigen Melanio P. fehlte zunächst jede Spur. Bis er in den USA wieder auftauchte – als Drogenhändler. In New Jersey wurde er verurteilt, dann aufgrund eines Rechtshilfeersuchens an Deutschland ausgeliefert. Seit gestern muss sich der 44Jährige wegen Totschlags vor dem Berliner Landgericht verantworten.

Die Ermittler gehen davon aus, dass es zwischen Täter und Opfer Streit um ein Rauschgiftgeschäft gab. Der Angeklagte und ein Komplize sollen Miguel M., 32, in einer Wohnung in Wedding mit 19 Messerstichen getötet haben. Seine teilweise verkohlte Leiche fanden Feuerwehrleute später auf dem Rücksitz eines ausgebrannten Audi 100. Das Feuer sollten wohl die Spuren des Verbrechens vertuschen. Doch Melanio P. schweigt seit seiner Ankunft in Berlin im Oktober letzten Jahres zu den Vorwürfen. Die Anklage stützt sich vor allem auf Indizien wie Blutspuren an einem Handtuch, das man im Audi fand. Auf Freiheit könnte P. aber auch bei einem Freispruch nicht hoffen: In New Jersey hat er für Drogenhandel noch 15 Jahre Haft zu verbüßen. K. G.

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