• Mordprozess um Kindesmisshandlung in Berlin: „Sie ignorierten das Leiden des Kindes“

Mordprozess um Kindesmisshandlung in Berlin : „Sie ignorierten das Leiden des Kindes“

Die kleine Zoe starb drei Tage nach einer schweren Misshandlung. Rund zwei Jahre später müssen sich jetzt die Mutter und ihr Lebensgefährte vor Gericht verantworten. Er wegen Mordes, die Mutter selbst wegen Totschlags durch Unterlassung.

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Ein Prozess im Gericht.
Ein Prozess im Gericht.Foto: dpa

Die kleine Zoe wurde nur 33 Monate alt. Sie starb drei Tage nach einem brutalen Faustschlag in ihren Bauch. Die höllischen Schmerzen nach der Misshandlung wurden ignoriert - um die Gewalt des Lebensgefährten der Mutter zu vertuschen. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Zwei Jahre nach dem Drama in einer Wohnung in Weißensee begann der Prozess gegen Matthieu K. und Melanie S. Er muss sich wegen Mordes verantworten, sie wegen Totschlags durch Unterlassen.  

Sie zogen ihre Kapuzen tief ins Gesicht, um sich vor den Kameras zu verstecken. Es blieb die einzige Regung der mutmaßlichen Täter am ersten Tag. Hinter einer Fassade leben. Das sollen sie eineinhalb Jahre gut verstanden haben. „Während es ihnen gelang, der Außenwelt ein intaktes Familienleben vorzuspielen, führte K. immer dann, wenn es keine Zeugen gab, ein hartes Regiment und bestrafte die Kinder“, heißt es in der Anklage.

Dabei wurde sie längst durch Familienhelfer betreut. Später kritisierte ein CDU-Abgeordneter, das Kind sei „quasi unter den Augen des Jugendamtes“ gestorben.

Zuhause als Ort der Gewalt

Die 27-jährige Melanie S. war im Jahr 2010 mit ihren drei kleinen Kindern – Zoe und ihr Zwillingsbruder Felix sowie der knapp zwei Jahre ältere Lukas - zu dem 26-jährigen K. nach Weißensee gezogen. Es soll ein Ort der Gewalt für die Kinder gewesen sein. Der Mann habe zugeschlagen, „wenn sie sich nicht so verhielten, wie es seiner Vorstellung entsprach“. Die Mutter sei nicht eingeschritten. Für die sichtbaren Hämatome seien Lügen erfunden worden. Man glaubte ihnen. „Ärzte, Familienhelfer und Kita-Mitarbeiter schöpften keinen Verdacht“, so die Ermittler.

Am 28. Januar 2012 kam es zum Drama. Die knapp dreijährige Zoe und ihre Brüder waren im Bad. Die Kleine alberte vielleicht herum. Man weiß es nicht. K. geriet in Rage, heißt es in der Anklage. Er habe mit der Faust zugeschlagen. Zoe schrie auf. Der Dünndarm wurde an die Wirbelsäule gepresst und riss. Melanie S. kam, doch für Zoe gab es keine Hilfe. Es kam zu einer Bauchfellentzündung. Zoe habe erkennbar unter starken Schmerzen gelitten. Ihr Bauch blähte sich auf. „Die Angeklagten ignorierten das Leiden des Kindes“, steht für die Anklage fest.  

Zusehen und Warten

Drei Tage nach dem Übergriff waren zwei Familienhelferinnen in der Wohnung. Sie sahen am frühen Nachmittag, dass es Zoe schlecht ging. Sie hätten verlangt, dass die Kleine sofort zum Arzt gebracht wird, heißt es in der Anklage. Die Mutter und ihr Partner seien auch losgegangen. K. aber habe den Arztbesuch verhindern wollen – aus Angst, man könnte entdeckten, was er dem Kind angetan hat. Alles sei nicht schlimm, habe er Melanie S. erklärt und überredet, einkaufen zu gehen. Von Mord aus Verdeckungsabsicht geht die Anklage aus. Die Richter schlossen in einem Hinweis aber nicht aus, dass dies auch auf die Mutter zutreffen könnte.   

Melanie S. schlief, als K. laut Ermittlungen die Qualen der kleinen Zoe mit ansah. Als sie tot war, rief er die Feuerwehr. Bald stand K. unter Verdacht. Die anderen Kinder nahm das Jugendamt in Obhut. Der Tod des Mädchens löste heftige Debatten aus. Warum fiel nicht viel früher auf, was in der Wohnung geschehen war? Das wird nun auch im Prozess eine von vielen Fragen sein. Während K. die Aussage verweigerte, wird sich die Muter vermutlich am Mittwoch äußern.

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