Berlin : Mordprozess: Verbrechen an Öl-Millionär zum dritten Mal vor Gericht

Peter Murakami

Ein frei umherlaufender Mörder? Ein Unschuldiger lebenslang hinter Gittern? Beides schien möglich bei dem Prozess um die Ermordung des Zehlendorfer Millionärs Gerhard Malicha. Zwei Instanzen konnten bislang nicht mit der notwendigen Sicherheit klären, ob der US-Amerikaner Anthony D. der Mörder des Heizstoffhändlers Malicha ist oder nicht. Ein Gericht verurteilte ihn, eines sprach ihn frei, beides wurde beanstandet. Deshalb muss sich der 37-jährige Angeklagte am Freitag zum dritten Mal vor dem Landgericht verantworten.

Im Hauptverfahren war Anthony D. im Februar 1997 wegen Mordes und Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Anfang 1999 sprach ihn das Landgericht in zweiter Instanz frei, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) das ursprüngliche Urteil wegen Verfahrensfehlern aufgehoben und den Fall an das Landgericht zurückverwiesen hatte.

Mittlerweile hat ein anderer Strafsenat des BGH auch diesen Freispruch gerügt und beanstandet, dass das Landgericht sich fehlerhaft mit der Zeugentauglichkeit der Hauptbelastungszeugin und Klägerin auseinander gesetzt habe.

Der 69-jährige Gerhard Malicha, der es mit dem Verkauf von Brennstoffen zum Millionär gebracht hatte, war am 26. August 1995 in seiner Zehlendorfer Wohnung mit zerschmettertem Schädel gefunden worden. Der an der Parkinsonschen Krankheit leidende Mann war bettlägerig und wurde von der damals 27 Jahre alten Simone B. gepflegt. Auch sie wurde im Haus mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen gefunden. Obwohl aus dem Tresor von Malicha rund eine dreiviertel Million Mark fehlte, tappte die Polizei zunächst im Dunkeln. Während der Millionär nach zwei Wochen an seinen schweren Schädelverletzungen starb, ohne zuvor das Bewusstsein erlangt zu haben, wachte Simone B. nach einigen Wochen aus dem Koma auf. Sie beschuldigte ihren ehemaligen Verlobten Anthony D., auf sie und Gerhard Malicha eingeschlagen zu haben. Er habe die Tat aus Eifersucht begangen, weil sie zwei Tage zuvor die Verlobung mit ihm gelöst habe. Malicha musste demnach sterben, weil er Zeuge der Gewalttat an der Frau geworden war.

Mit Tränen in den Augen bestritt Anthony D. vor Gericht das Verbrechen. Er habe Simone B. geliebt, hätte ihr so etwas nie antun können. Weshalb ihn seine Ex-Verlobte dermaßen schwer belaste, könne er sich gar nicht vorstellen.

Simone B., die bei dem Verbrechen zum Teil irreparable Hirnschäden davongetragen hatte, war die wichtigste Zeugin der Anklage. Trotz Lücken und Widersprüchen in ihren Aussagen hatte ihr das Landgericht geglaubt und Anthony D. am 8. Februar 1997 wegen Mordes und Mordversuchs zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Im Januar 1998 hob der BGH dieses Urteil wegen "durchgreifender Bedenken" auf. Die obersten Strafrichter vertraten die Auffassung, dass Simone B. nur Dinge geschildert habe, die sie möglicherweise auch von Dritten, zum Beispiel von der Polizei bei den Vernehmungen gehört haben konnte. Das hielt der BGH nicht für ausreichend und wies das Berliner Landgericht an, die Glaubwürdigkeit der Zeugin in einem neuen Prozess zu prüfen.

Dieser Rüge trug die 22. Große Strafkammer Rechnung und sprach Anthony D. im Februar vergangenen Jahres frei, da außer der Zeugenaussage nichts darauf hinwies, dass er sich in der Zehlendorfer Villa aufgehalten hatte. Nachdem Staatsanwaltschaft und Nebenklage erneut in Revision gegangen waren, beanstandete der BGH auch dieses Urteil und verwies es an das Landgericht zurück, dass sich nun erneut mit diesem Fall beschäftigten muss.

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