Mordversuch nach Graffiti-Aktion : Haftstrafe für 17-jährigen Messerstecher

Der Fall hatte vor vier Monaten für Aufsehen gesorgt: In Berlin-Steglitz wurde ein Passant brutal niedergestochen, weil er zwei Jugendliche nach einer Graffiti- Schmiererei zur Rede stellte. Heute sprach das Berliner Landgericht sein Urteil.

Berlin - Der 17-Jährige wurde wegen Mordversuchs zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Der Jugendliche hatte in der Nacht zum 16. Juli auf dem S-Bahnhof am Rathaus Steglitz einen 55-jährigen Mann niedergestochen, der seinen Freund bei einer Graffiti-Schmiererei ertappte und ihn deswegen zur Rede stellen wollte. Der Fußgänger kam schwer verletzt in ein Krankenhaus.

Das Gericht hatte die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der angehende Tischlerlehrling wollte seinem Freund helfen und habe dabei in Kauf genommen, dass der Fußgänger getötet werden könnte, erklärte der Staatsanwalt den aus seiner Sicht heimtückischen Angriff von hinten. Nach Angaben von Verteidiger Peter Feldkamp hatte der Angeklagte den Mann nur in den Arm stechen wollen. Der Passant habe sich aber in dem Moment gebückt und sei daher in den Rücken getroffen worden.

Anwalt Feldkamp sagte, sein Mandant gehöre nicht zur Sprayerszene. Er sei ein ruhiger Mensch, sei Berliner Jugendangelmeister 2004. An jenem Tag habe er mit seinem besten Freund seinen Geburtstag gefeiert und sei nicht wenig alkoholisiert gwesen. Als es zu der Auseinandersetzung kam, sei der Angeklagte einige Meter entfernt gewesen. Er habe sich umgedreht und gesehen, dass sein Freund von einem Mann im Schwitzkasten gehalten worden sei. Ohne zu überlegen sei der 17-Jährige losgerannt und habe zugestochen.

Der Überfallene hat sich inzwischen von dem Überfall erholt. «Alle Schutzengel haben mir beigestanden», hätten ihm die Ärzte erzählt. Der Berufsschullehrer sagte auf dem Gerichtsflur, er betrachte es als seine Aufgabe, Jugendliche anzusprechen. Nach Angaben der Verteidigung hat sich der Angeklagte bei dem Opfer entschuldigt. Der Lehrer habe dem Jungen alles Gute gewünscht. (tso/dpa)

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