Berlin : Moritzplatz: Bunte Mischung unter einem Dach

Katharina Körting,Harald Olkus

Für die zurzeit wenig attraktive Brachfläche am Moritzplatz, wo einst das erste Kaufhaus Berlins stand, gibt es große Pläne. Ein Ost-West-Handelszentrum soll den Platz aufwerten und vielleicht sogar an frühere Glanzzeiten anknüpfen. Bis zum Zweiten Weltkrieg stand an der Stelle das 1902 gegründete, erste Warenhaus Berlins der Gebrüder Wertheim sowie ein Konzertcafé mit 1000 Plätzen. Im April 1945 war das Kaufhaus bei einem Bombenangriff zerstört worden. Seitdem liegt das landeseigene Grundstück brach. Zurzeit nutzt ein Trödelmarkt das 5500 Quadratmeter große Areal an den Wochenenden.

Die Verkaufverhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Über den Preis will die Senatsfinanzverwaltung deshalb keine Angaben machen. Ursprünglich war geplant, das Stück Land auf Erbbaubasis zu verpachten. Der dahingehende, 1995 abgeschlossene Vertrag mit einem polnischen Betreiber, der ein polnisches Handelszentrum errichten wollte, ist für nichtig erklärt worden, nachdem der Investor sich als zahlungsunfähig erwiesen hatte. Der Bezirk hat immer noch Außenstände von mehr als 200 000 Mark. Der Pächter, zunächst nach Ahlen verzogen, ist nach Angaben von Bezirksbürgermeister Franz Schulz unauffindbar. Eine Klage gegen die Auflösung des Vertrages ging durch alle gerichtlichen Instanzen. Erst zu Beginn dieses Jahres konnte die Erbpachtvereinbarung aus dem Grundbuch gelöscht und nach einem neuen Investor gesucht werden.

Informelle Gespräche mit Interessenten führte das Bezirksamt schon im Herbst 1999. An Ideen für die Nutzung des Grundstücks mangelte es nicht. Zur Debatte standen ein Hotel, ein Großaquarium sowie ein türkisches Warenhaus. "Das meiste davon passte nicht in unser städtebauliches Konzept" sagt Schulz. Dazu gehöre eine Bebauung auch unter ökologischen Gesichtspunkten sowie eine Belebung dieses zurzeit nicht sehr lebendigen Teils der Oranienstraße auch in den Abendstunden. Das Konzept von LandPolSa, einem Zusammenschluss von rund 50 polnischen Firmen, kam im Frühjahr ins Spiel. In dem geplanten europäischen Handelszentrum soll von Geflügelproduktion bis Metallverarbeitung, von Kommunikationstechniken bis Textilherstellung, von Hotel, kleinen Läden und Büros eine große Mischung erreicht werden. In zwei Wochen wird ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt, an dem sich fünf Architektenbüros beteiligen. Der beste Entwurf wird im Dezember ausgewählt. "Wenn alles glatt läuft, beginnen die Bauarbeiten im Sommer", sagt Schulz.

Noch mehr Ideen

Außer Initiatoren des polnischen Handelszentrums gibt es noch andere Interessenten für das Grundstück - deren Chancen allerdings wohl schlecht stehen. Die Berliner Bau-Planungsgesellschaft HVL will ein technisches Kaufhaus bauen, in dem sich Software-Anbieter, Computer-Schulungsunternehmen, Internet-Start-ups und Firmen aus dem Bereich Neue Medien ansiedeln sollen. Versammlungsräume und ein Supermarkt für die Einzelhandel-Nahversorgung seien ebenfalls denkbar.

Dann ist da noch die Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft Dieckerhoff, die seit Monaten versucht, die Finanzverwaltung vom Konzept einer türkischen Aktiengesellschaft zu überzeugen, in deren Auftrag sie arbeitet. Bislang war dieser Versuch allerdings vergeblich. Der Investor, die SEVGI Deutschland AG, setzt nicht auf Osteuropa, sondern auf den Nahen Osten und plant ein "Mediterran-Orientalisches Kultur-, Kauf- und Erlebniszentrum".

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