Berlin : Moschee-Bau verzögert sich

Bislang nur wenig Spenden für das umstrittene Projekt in Kreuzberg

Lars von Törne

Der geplante Moschee-Neubau auf dem ehemaligen „Bolle“-Grundstück in Kreuzberg kommt langsamer voran als geplant. Der Bauherr des umstrittenen Projekts an der U-Bahnstation Görlitzer Bahnhof, der Islamische Verein für wohltätige Projekte, hat bislang nur einen Bruchteil der Spenden gesammelt, die für das Projekt nötig wären. „Wir müssten zehn Jahre lang sammeln, um ausreichend Geld zusammenzubekommen“, sagte Vorstandsmitglied Birol Ucan dem Tagesspiegel. Der Verein benötigt nach Ucans Angaben etwa zehn Millionen Euro für das Bauprojekt. Ursprünglich hatte man gehofft, den gesamten Betrag mit privaten Spenden von Berliner Moslems zu finanzieren.

Die Spendendosen, die in den vergangenen Monaten in türkischen und arabischen Läden aufgestellt wurden, füllten sich aber deutlich langsamer als erwartet. Jetzt verhandelt der Verein mit Banken über einen Kredit, sagt Ucan. Parallel dazu arbeiten Ucan und seine Mitstreiter weiterhin am Bauantrag. Eigentlich hatten sie ihn schon vor Monaten einreichen wollen. Aber auf die zahlreichen Anforderungen von Stadtplanungs- und Tiefbauamt einzugehen, nahm mehr Zeit in Anspruch als gedacht, sagt Birol Ucan. „Wir hoffen, den Antrag bis Jahresende einreichen zu können.“ Anfang 2004 sollen die Bauarbeiten nach Wunsch des Vereins beginnen.

Das Projekt des islamischen Vereins hatte, wie berichtet, unter Anwohnern Unruhe ausgelöst. Manche fragten sich angesichts des geplanten siebengeschossigen Neubaus mit vier Minaretten, ob es in Kreuzberg nicht schon genug Moscheen gebe. Andere hingegen freuten sich, dass die hässliche Baulücke an der Wiener Straße 16 Jahre nach dem Brand des Bolle-Geschäfts geschlossen werden soll. Auch begrüßen sie, dass in dem Gotteshaus neben einem Café auch eine Boutique und ein Supermarkt geplant sind.

Unterschiedliche Ansichten gibt es auch über die Intention des Bauherrn. Einerseits bezeichnet sich der Verein, der seine Moschee bislang in einem Hinterhof in der Skalitzer Straße betreibt, als gemäßigt und spricht sich gegen religiösen Fundamentalismus aus. Auch Bezirkspolitiker wie Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) attestierten der Gruppe im Gegensatz zu anderen eine liberale Einstellung. Andererseits bescheinigten Kenner der Szene, die ungenannt bleiben wollen, dem Verein eine „sektenähnliche Doktrin“. Innerhalb der muslimischen Gemeinschaft Berlins trat der Verein bislang wenig in Erscheinung.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar