Berlin : Moschee-Gegner machen mobil

In Charlottenburg bahnt sich der nächste Kulturkonflikt um ein islamisches Bauvorhaben an

Werner van Bebber

Der Konflikt könnte noch heftig werden: „Bürgerbewegung pro Deutschland“ nennt sich eine Initiative, die in Charlottenburg den Bau einer Moschee verhindern will. Die „Pro-Deutschland“-Leute versuchen, politikverdrossene Berliner anzusprechen und lehnen eine Moschee in der Keplerstraße ab. Wie die Bürgeriniative „Pro Köln“ wollen auch die Leute von „Pro Deutschland“ auf einen Grundsatzkonflikt hinaus: „Vor allem die multikulturelle Politik der Altparteien fordert unseren Widerspruch hinaus“, heißt es auf einem Flugblatt der Initiative „pro Deutschland“. In Köln streiten sie gegen eine „riesige repräsentative Großmoschee“, die die Fraktionen im Kölner Stadtparlament „in multikultureller Eintracht“ befürworteten.

Während die Kölner Initiative im Hintergrund der Moscheebauer die radikalislamische Bewegung Milli Görus vermutet, verdächtigen die „Pro-Deutschland“-Leute den Verein „Inssan“, der das Charlottenburger Projekt betreibt, islamistischer Tendenzen: „Der Plan der muslimischen ,Inssan’, in Charlottenburg eine Großmoschee zu bauen, ist nun der zweite Versuch, in Berlin wirksamer für die Muslimbruderschaft tätig zu werden“, heißt es auf einem Flugblatt.

Die Initiative sieht einen Zusammenhang mit einem Neuköllner Bauvorhaben in der Pflügerstraße. Dort wollte „Inssan“ ein „Kulturhaus“ errichten lassen. Das Grundstück in einem Wohngebiet kaufte laut Vertragskopie ein gewisser Ibrahim el-Zayat. Der damaligen Baustadträtin Stefanie Vogelsang zufolge hatte el-Zayat enge Beziehungen zur Muslimbruderschaft. Und für die interessiert sich der Bundesverfassungsschutz.

Vogelsang verhinderte das Bahnvorhaben in der Pflügerstraße auf dem Rechtsweg: ein derart großes Projekt passe nicht in das Wohngebiet, lautete ihr Argument. Sie wolle die Integration von Muslimen nicht erschweren, so die CDU-Politikerin auch heute noch. Sie wolle aber auch nicht, dass integrationswillige muslimische Bürger durch „islamistische Scharfmacher“ unterwandert werden.

In Charlottenburg liegen die Dinge anders. Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) weist darauf hin, dass der Bau einer Moschee „in weiter Ferne“ liege. Zunächst einmal wolle der Verein „Inssan“ in einem bestehenden Gebäude ein Kulturzentrum errichten. Eine Moschee solle erst dann entstehen, wenn „Inssan“ dafür Geld habe. Sie habe mit dem Verein keinerlei Probleme, so wenig wie mit den drei anderen Charlottenburger Moscheevereinen.

Ähnlich unaufregend findet der Neuköllner CDU-Politiker Michael Freiberg die Pläne von „Inssan“ in Charlottenburg. Freiberg gehört zum Beirat von „Inssan“ – Vorstandsmitglieder des Vereins waren gestern nicht zu erreichen. Freiberg sagt, er dringe darauf, die Verantwortlichkeit für das Projekt deutlich und die Finanzierung transparent zu machen. Er ist überzeugt, dass hinter dem Charlottenburger Vorhaben keine „dunklen Geldquellen“ zu finden sind.

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