Berlin : Moslem, männlich, unauffällig

Die Rasterfahndung brachte in Berlin keinen einzigen Treffer

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Afghane, männlich, Mitarbeiter am Flughafen Tegel, Bereich Gepäckabfertigung, bislang polizeilich unauffällig – alle Kriterien stimmten. Die Berliner Behörden, so schien es, hatten etwa zwei Wochen nach den Anschlägen vom 11. September im vergangenen Jahr einen der gefährlichen Schläfer aus dem Netzwerk des Osama Bin Laden herausgefiltert. Der des Flughafenmitarbeiters fand sich in den Dossiers der Verfassungsschützer. Die Daten des mutmaßlichen Terroristen gingen an die für die Sicherheitsüberprüfung am Flughafen zuständige Verkehrsverwaltung zurück. Im Hause Strieder handelte man schnell: Der Mann wurde aus dem Verkehr gezogen.

Nicht ganz so schnell, aber doch zügig, wurde der Fehler korrigiert. Der Verfassungsschutz hatte bei Lieferung seiner Erkenntnisse schon darauf hingewiesen, dass man die Informationen genauer untersuchen müsse. Ein sachdienlicher Hinweis, wie sich herausstellte. Denn der Mann lebte zwar tatsächlich seit Jahren in der deutschen Hauptstadt – aber unbescholten. Der Mann dagegen, der in den Unterlagen des Verfassungsschutzes aufgetaucht war, hatte mit dem Flughafen Tegel einfach nichts zu tun. Eine Namensverwechslung.

Der Afghane war kein zufälliges Opfer der Rasterfahndung. Vielmehr handelten die Behörden hier vorschnell – in der von Angst geprägten Situation des vergangenen Herbstes – auf eigene Initiative. Doch die Rasterfahndung hat in Berlin keinen echten Schläfer enttarnt. Untersucht wurden nach den Anschlägen 34 000 männliche Moslems zwischen 18 und 41 Jahren. 58 000 Datensätze wurden abgeglichen, 114 Männer genauer überprüft. Und während sich die Betroffenen mit den Sicherheitsbehörden vor Gericht über die Rechtmäßigkeit der Maßnahme stritten, konnte Polizeipräsident Dieter Glietsch nach Abschluss der Fahndung im Juli diesen Jahres berichten: null Treffer. Alle Daten der 34 000 Überprüften würden jetzt gelöscht. babs

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