Motorola-Konzept : Wowereit wollte kostenloses Wlan-Netz in Berlin - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren wollte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit einen neuen Versuch unternehmen, in der Berliner Innenstadt einen kostenlosen, drahtlosen Internetzugang zu ermöglichen. Doch er stieß auf Skepsis. Was Rainer W. During daraüber schrieb.

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Berlins Regierender Bürgermeister denkt erneut über Wlan nach.
Berlins Regierender Bürgermeister denkt erneut über Wlan nach.Foto: ddp

Klaus Wowereit zeigt sich bei einem Besuch des Motorola-Werkes in Reinickendorf sehr angetan von dem Konzept des Unternehmens für ein kostenloses Wlan-Netz. Für den Netzbetreiber Unitymedia hat Motorola in Aachen in nur acht Monaten ein flächendeckendes Wlan-Netz aufgebaut, das die gesamte Innenstadt zu einem einzigen großen Hotspot macht.

In Berlin sollte ein solches kostenloses Angebot nach den Vorstellungen von Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) schon vor Jahren die Attraktivität der Hauptstadt steigern. Doch die Pläne scheiterten am Veto von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Aus Sicht ihrer Verwaltung hätten die kleinen Antennenkästen, die an Laternen- und Ampelmasten installiert werden sollten, entweder das Stadtbild verschandelt oder die Elektronik der Lichtsignalanlagen gestört. Eine Pauschalgenehmigung wurde deshalb von der Verwaltung verweigert, die geforderten Einzelfall-Prüfverfahren für die notwendigen 5000 Standorte erwiesen sich als undurchführbar. Daraufhin wurde das Projekt zum Jahresbeginn für gescheitert erklärt.

Wenn es jetzt ein konkretes Beispiel dafür gibt, wie es in der Praxis funktioniert, sei dies ein guter Anlass, die Umsetzung für Berlin nochmals zu prüfen, sagte Klaus Wowereit dem Tagesspiegel.

In Aachen hat man einen Großteil der Sender in den ohnehin auf den Straßen stehenden Ampelschaltkästen versteckt, so Frank Oliver Pauer von Motorola. Der bisherige Partner, die Stuttgarter Airdata AG, sei weiter an dem Projekt in Berlin interessiert, außerdem gebe es zwei weitere Interessenten. Mathias Gille, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, gab sich zurückhaltender. Neben den Fragen des Stadtbildes und der Störgefahr sei auch zu klären, ob angesichts der sich weiter entwickelnden Mobilfunktechnik, die Verbrauchern preisgünstige Surfmöglichkeiten biete, ein derartiges, auch kostenintensives Angebot überhaupt noch notwendig ist.

Das vor zehn Jahren eröffnete Motorola-Werk am Borsigturm ist der größte der vier deutschen Standorte und das Integrations- und Fertigungszentrum für digitale Funksysteme insbesondere bei Polizei, Feuerwehr und sonstigen Behörden. Nachdem Berlin zu den Vorreitern bei der Einführung der abhörsicheren Technik ist, konnte man gerade einen Auftrag aus Mecklenburg-Vorpommern verbuchen.

Zuvor hatte der Regierende Bürgermeister die seit zwei Jahren zum malaysischen KNM-Konzern gehörende Firma Borsig besucht. Nach der Insolvenz im Jahre 2002 beschäftigt das Unternehmen wieder 520 Mitarbeiter, die den dreifachen Umsatz erwirtschaften, so Geschäftsführer Konrad Nassauer. Gleich nebenan, beim Kompressorenhersteller MAN Diesel & Turbo, wurde der Regierende Bürgermeister von Standortleiter Ralf Thon mit einem weiteren Problem konfrontiert: Berlin ist der weltweit führende Standort für Turbomaschinenhersteller, doch um Nachwuchs müsse man sich mangels entsprechender Studiengänge an den hiesigen Hochschulen in Aachen oder Dresden bemühen.

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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