Berlin : Motorräder – maßgeschneidert

BMW eröffnet neue Halle in Spandau. Von dort wird die ganze Welt mit Wunschmodellen beliefert

Annette Kögel

Nein, den Motorradführerschein besitzt er nicht. „Aber hinten drauf setzen und mitfahren, das mache ich gern.“ Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister, ist zumindest in punkto Mobilität Kollegen aus der Politik wie Hermann-Otto Solms oder Heinrich Lummer hinterher. Am Donnerstag hatte der Sozialdemokrat trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten Grund zur Freude: Wowereit war bei BMW in Spandau, da wurde eine neue Werkshalle eröffnet und dazu gratulierte der Regierende.

Herbert Diess, der neue Leiter der Sparte Motorrad bei BMW, führte Wowereit und den Spandauer Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz auf einem Rundgang durchs Werk und erklärte, wie die Bikes künftig in der Hauptstadt für alle Welt produziert werden. Das kann man sich so vorstellen wie mit einem Maßanzug: Auf der Montagestraße in der neuen Halle können sich die Mitarbeiter die an einem Gestell schwebenden Maschinen an ihrem Arbeitsplatz ganz individuell einstellen. Jetzt ist alles noch moderner und effizienter, auch dank der „10-Achsen-Laserschneideanlage“.

Doch solch Motorradbauer-Fachchinesisch dürfte die BMW-Kundschaft weniger interessieren. Zu ihr gehört die „California Highway Patrol“ und der ADAC, Scheichs in Dubai oder Helfer vom Roten Kreuz. Sie alle ordern immer häufiger auch per Internet bayerische Bikes made in Berlin. So verzeichnet BMW Spandau das zehnte Jahr in Folge mit einem Absatzplus – und das im rückläufigen Markt. Wie das gelingt? „Die Erfahrung zeigt, dass die Leute zwar sparen, aufs Hobby will aber niemand verzichten“, sagt Dietmar Krohm, einer der BMW-Sprecher.

Der größte Motorradhersteller Europas ist inzwischen auch fünftgrößter industrieller Arbeitgeber der Stadt: In den vergangenen zwei Jahren wurden 300 neue Leute eingestellt. In Spandau sind jetzt 2000 Menschen in der Motorradproduktion und 700 in der Autoteilefertigung beschäftigt. Seit dem Millenniumswechsel hat die BMW-Group 165 Millionen Euro in den Standort Berlin investiert, bis 2005 kommen weitere 91 Millionen Euro hinzu. Die neue umweltfreundliche und teilautomatisierte Lackieranlage soll im Sommer fertig aufgebaut sein.

Wer für ein Motorrad fast so viel auf den Tisch legt wie für einen Mittelklassewagen, kann einiges für sein Geld erwarten. BMW verspricht das, denn zwischen CNC-Maschinen und „5-Achsen-Bearbeitungszentren“ wird noch vieles von Hand gemacht. Regina Olschewski, seit 32 Jahren bei der Firma, und die 29-jährige Daniela Rakic perfektionieren Tanks per Pinsel. Ihr Job heißt „Liniererin“ – das hätte bei Robert Lembke ein heiteres Beruferaten gegeben.

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