Berlin : Motorsportler ziehen nach Gatow

Die Anwohner fürchten um ihre Ruhe, weil der ADAC derzeit ein altes Gasthaus zum Zentrum umbaut

Rainer W. During

Von den Anwohnern werden die Bauarbeiter, die seit Monaten im einstigen Gasthaus „Zur Linde“ ein- und ausgehen, skeptisch beäugt. Die Gatower fürchten um ihre Idylle. Denn der ADAC will das Ufergrundstück als neues Wassersportzentrum nutzen. Bereits Anfang September stehen die Berliner Jugendmeisterschaften mit motorgetriebenen Schlauchbooten im Terminplan. Doch die Verantwortlichen versichern: Der Einsatz von Rennbooten wie auf der Regattastrecke Grünau ist hier nicht geplant.

Der ADAC Berlin-Brandenburg hat 2005 das Grundstück in Alt-Gatow 1–3 erworben. Er finanziert auch die Umgestaltung des Areals. Über die Investitionshöhe will der Automobilclub keine Angaben machen. Experten gehen von einem Millionenbetrag aus. Pächter des Hauptgebäudes bleibt ein italienischer Gastwirt. Der Rest des Areals wird an den erst 2002 gegründeten Motor-Yacht-Club Preußen verpachtet. Die Sportler werden über zwei Steganlagen für insgesamt 64 Boote verfügen und die ehemaligen Remisen als Domizil nutzen. Der MYC Preußen will nationale und internationale Motorsportveranstaltungen durchführen sowie Regatten und Orientierungsfahrten. Zu den rund 120 Mitgliedern zählen laut Sportleiter Friedrich Feuersenger 15 aktive Rennsportler, darunter Europameister Reinhard Gerbert. Sie werden mit ihren Rennbooten aber nicht in Gatow trainieren, versichert Feuersenger.

Ausrichter der im Terminkalender gelisteten Jugendmeisterschaft ist der Berliner Motoryachtverband, der dafür eine Pauschalgenehmigung hat, so Fehlberg. Veranstaltungsort sei das benachbarte Wassersportheim des Bezirks. Und an der von „Preußen“ für den 16. September geplanten Orientierungsregatta würden nur normale Motorboote teilnehmen. Das Wasserstraßenamt bestätigt: Bootsrennen auf der Unterhavel sind nicht beantragt und wegen der hier regen Schifffahrt auch kaum genehmigungsfähig. Am 19. August findet die offizielle Eröffnung des Wassersportzentrums statt. Zu der Veranstaltung will man auch Anlieger einladen. Stadtplanungsamtsleiter Walter Göllner begrüßt die Sanierung des historischen Gasthauses. Er verspricht sich von der Ansiedlung ferner eine Förderung des Wassertourismus.

Die Anlieger sehen die Wassermotorsportler eher skeptisch. „Erfreulich ist das nicht“, sagt Gerd Reuter vom Arbeitskreis Gatow. „Wir wollen hier ein idyllisches Dorf entwickeln“, so auch Ulrich Reinicke vom Förderverein historisches Gatow. Erst kürzlich hatte Baustadtrat Carsten Röding (CDU) ein EU-Förderprojekt gestartet. Es soll die Entwicklung des Ortsteils zu einem Naherholungsgebiet konzipieren. Wie sich das mit Motorsport vereinbaren lässt, nachdem das Bezirksamt sich sogar schon gegen Polosport ausgesprochen hatte, ist Reinicke ein Rätsel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben