Berlin : Mountainbiker: Scharen von Downhill-Fahrern zerwühlen den Wald

Jasmin Jouhar

Sogar das Netz empfiehlt den Berliner Wald. Auf seiner Homepage preist das Mountainbike-Magazin "RacerX" die Müggelberge als Dorado für das rasante Bergabfahren, das "Downhill". Bis zu 50 Biker sind laut RacerX dort am Wochenende anzutreffen. Einige Strecken fielen durch "coole Sprünge", aber auch durch "viele Spaziergänger, die abnerven" auf. "Der Förster entschärft von Zeit zu Zeit die Strecken, die dann von Handarbeit wieder aufgebaut werden müssen." Mit dem Zusatz "illegal" sollen die Radler aber gewarnt werden: In den Müggelbergen sind sie nicht willkommen. Solche Tipps im Netz bereiten Marc Franosch Sorgen. Der Sprecher der Berliner Forsten beklagt "gravierende Schäden", verursacht von Bikern - in den Müggelbergen in Köpenick, aber auch am Teufelsberg und an den Havelhängen im Grunewald.

Die Downhill-Fahrer stürzen sich am liebsten bewaldete Hänge herunter, springen dabei über Schanzen - und graben sich mit ihren breiten Geländereifen in den sandigen Boden. Dabei zerstören sie, so beschreibt Franosch, die Pflanzen, die den Sand halten. Beim nächsten Regen werde der aufgewühlte Boden weggespült, es bildeten sich regelrechte Rinnen. "Erosionsschäden sind nicht immer Radschäden. Aber die Mountainbiker haben zentrale Verantwortung dafür", sagt Marc Franosch.

Zwar ist das Fahren im Wald abseits der Wege verboten, doch die Downhill-Biker sind dank ihrer zwei Räder für einen Fußgänger kaum zu fassen. "Ich kann wenig gegen die ausrichten" stellt Wilfried Langer, Revierförster in Köpenick fest. Dabei beobachte er beinahe jeden Tag wilde Querfeldeinfahrten. Die Folgen: "Die Furchen sind bis zu einem dreiviertel Meter tief". Die Wurzeln der Bäume lägen bloß, langfristig stürben sie ab. Bereits seit einigen Jahren sieht Langer Biker durch die Müggelberge kurven.

Um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, habe er welche zu sich eingeladen und ihnen seinen Standpunkt erklärt. Auch habe er ihnen legale Strecken angeboten. "Die haben sie nicht interessiert", sagt er. "Wenn ich mir ein Fahrrad für 10 000 oder 20 000 Mark kaufe, will ich einen Kick haben."

Auch Gerald Schultz ärgert sich über die rücksichtslosen Radler. Der Fachwart für Mountainbiking beim Berliner-Radsport-Verband glaubt, dass sie den Ruf der Mountainbiker generell ruinieren. "Ich achte darauf, dass ich mit meinen Trainingsgruppen keine Wege nehme, wo hinterher der Regen Rinnen ausspülen kann."

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