Berlin : Mouron singt Chancons in der Bar jeder Vernunft

Katja Winckler

Diven sind langbeinig, tragen sexy Kleider und lehnen lasziv am Piano. Ganz anders Mouron. Die kleine Französin mit der silbrigen Garçon-Tolle und den tellergroßen Augen steht in Nadelstreifenanzug und festem Schuhwerk (erneut) auf der Bühne der Bar jeder Vernunft. Zuletzt in "Diva gut" im Hebbel-Theater mit Georgette Dee, Cora Frost und der Popette tritt sie nun mit ihrem neuen Programm "Bleu, noir, rouge" auf. Das erzählt, wie es sich fürs Chanson gehört, von der Liebe. Am Piano: Terry Truck. "Herzlisch willkommen in meine Traum-Cabaret", begrüßt sie ihr Publikum. Und wirklich, schon nach wenigen Liedern - eigenen oder den weltbekannten von Jacques Brel, Edith Piaf oder Georges Moustaki - hat sie die Zuhörer justement in ihre eigene, kleine Welt entführt. Da, wo die Sehnsucht, die Lust und der Schmerz zu Hause sind. So gegensätzlich wie die Farben des Programms: Blau, Schwarz, Rot. Mouron schwelgt im Fundus des Chansons. Da ist die Liebe "comme une photo de Robert Doisneau". Oder so leidenschaftlich, bis sich die Erde nicht mehr dreht. Dann beginnt ihre Stimme über dem gut besuchten Spiegelzelt mit den blutroten Samtvorhängen zu schweben. Mal mit rauchigem, mal donnerndem oder zitternd-gehauchten Timbre. Und wenn sie ihren Begleiter mit "Allez, Terry!" anfeuert, bricht ihr Temperment vollends aus. Dann steigt die kleine Frau sogar mal auf ein Podest, um es den meterlangen Diven zu zeigen. Oder kokettiert (manchmal allzusehr) mit ihrem französischen Deutsch. Sie ist eine Große. Das merkt man an der Dauer-Gänsehaut, die mindestens drei Stunden anhält. Dass sie zuweilen heftig auf die Tränendrüse drückt, sei ihr verziehen. De rien.Bar jeder Vernunft (bis 12. September, jeweils dienstags bis sonntags, 20.30 Uhr)

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