Berlin : Mozart zum Menü

Die neuen Tempodrom-Chefs setzen auf Kleinkunst Den Anfang macht die Reihe „Klassik after Work“

Lars von Törne

Mit Kleinkunst begann einst das alte Tempodrom im Tiergarten. Auf Kleinkunst setzen jetzt auch die neuen Betreiber des Kulturbaus an der Kreuzberger Möckernstraße. Mit der Alternativkultur von einst hat das Konzept des vor einem halben Jahr eingestiegenen Programmchefs allerdings nicht mehr viel gemein. Manager Thomas Gross und sein Team wollen die Konzerte und Shows auf der Tempodrom-Hauptbühne durch eine anspruchsvolle, zeitgenössische Kulturmischung mit Nachwuchskünstlern ergänzen.

„Klassik after Work“ heißt der Vorreiter des Neuanfangs. Ab diesem Donnerstag soll diese Veranstaltungsreihe dazu beitragen, die kleine Arena des Tempodroms als „Circle Club“ zu etablieren, wie Gross ankündigte. Mozart, Mode und ein leichtes Menü sind die Zutaten der Auftaktveranstaltung. Das mehrfach ausgezeichnete Athena-Quartett und der Klarinettist Daniel Bollinger spielen, danach kann man leichte österreichische Häppchen essen und mit den Künstlern plaudern, dazu gibt es eine kleine Modenschau von Nachwuchs-Designern.

Als Partner hat Tempodrom-Manager Gross die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ gewonnen. Junge, herausragende Solisten sollen zu wechselnden Schwerpunkten musizieren, danach gibt es ein passendes Essen. Für den 2. und den 30. März steht das Programm schon fest, im Monatsrhythmus soll es weitergehen. Etabliert sich die Reihe, will Gross einen Förderpreis ausloben.

„Wir wollen die kleine Arena wieder beleben“, sagt Gross. Er will das Tempodrom nach den schwierigen Zeiten der Vergangenheit als Ort etablieren, in dem man mehr erleben kann als jene Großveranstaltungen, die auch schon seine Vorgänger durchgeführt haben, die Gründer Irene Moessinger und Norbert Waehl. So sind monatliche türkische Partys geplant, zu einer ersten Party für asiatische Berliner kamen laut Gross 700 Leute. Es gibt After-Show-Partys, bei denen man nach Konzerten von Jerry Lee Lewis oder Van Morrison mit deren Musik weiterfeiern kann. Auch sind im „Circle Club“ Comedy-Abende und die Reihe „Pop Splits“ geplant, die die Geschichten hinter Popsongs ergründet. Kulturmanager Gross ist optimistisch, dass es mit dem Veranstaltungsgeschäft bergauf geht, das er und Stephan Gerhard, Geschäftsführer der Tempodrom GmbH, vergangenen Sommer übernommen haben. Was mit dem Haus als Ganzes passiert, ist hingegen nach wie vor offen. Der Bau wird immer noch vom Insolvenzverwalter betreut. Offen ist weiterhin auch das Schicksal der wegen technischer Mängel geschlossenen Liquidrom-Therme im Haus.

Eine andere Altlast aus der Tempodrom-Frühgeschichte beschäftigt derweil die Landesregierung. Die EU-Kommission zieht möglicherweise einen Zuschuss von 2,5 Millionen Euro zurück, der dem Bau gewährt wurde. Da jedoch unklar ist, was beim Bau schief lief und wieso die Kosten so außer Kontrolle gerieten, hat die EU-Kommission ihre Zahlung an das Land Berlin vorerst einbehalten. Dagegen hat der Senat Widerspruch eingelegt, antwortete Wirtschaftsstaatssekretär Volkmar Strauch auf eine Anfrage der Grünen.

Klassik after Work, 16. 2., 19 Uhr, Eintritt inkl. Essen 18, ermäßigt 12 Euro, Infotelefon 6110 1313, www.tempodrom.de.

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