Berlin : Mozzarella für Italien

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Beim Griff in das Kühlregal des Supermarktes auf der Suche nach Mozzarella wird man doch immer eher zum „guten, italienischen Käse“ greifen. Francia Mozzarella ist solch ein durch und durch italienisches Produkt – und kommt doch mitten aus Berlin. Der italienische Familienbetrieb ist schon seit 1993 mit einem Werk in Reinickendorf vertreten. Dort produzierte Alceo Francia mit seinen zwei Brüdern und den Nachkommen des Familien-Clans den beliebten milchig-weißen Käse nach traditionellem italienischen Rezept. Und er hatte damit offensichtlich Erfolg: Als jüngst das Werk zu klein wurde, musste das Unternehmen in eine größere Produktionsstätte umziehen. Der neue Standort befindet sich in Tempelhof, und außer dem traditionellen Rezept hat sich dort einiges verändert.

Rund 40 Mitarbeiter sollen ab Mitte Juli in der Volkmarstraße ihre Arbeit beginnen. Mithilfe neuester Maschinerien können sie täglich bis zu zweihunderttausend Liter Bio-Milch zu immerhin über zwanzigtausend Kilo feinstem Mozzarella verarbeiten. Das Unternehmen möchte sich in Zukunft in Deutschland ganz auf die Herstellung von Bio-Mozzarella konzentrieren. Daher auch der Standort in Berlin: Hier fand die Francia GmbH qualitativ hochwertige Bio-Kuhmilch in für ihre Produktion ausreichenden Mengen. Das sei in Italien weitaus schwieriger, weiß das Unternehmen. So kommt es auch, dass sich die Handelswege plötzlich umzukehren scheinen: Statt aus Italien Mozzarella nach Deutschland einzuführen, sollen die im Tempelhofer Werk hergestellten Produkte nach Italien selbst und in den Rest der EU exportiert werden.

Doch auch innerhalb Deutschlands weitet sich das Unternehmen aus: Während Familie Francia bisher nur Gastronomie-Betriebe und kleinere Lebensmittelgeschäfte belieferte, wollen sie jetzt den Sturm auf die großen Supermarkt-Ketten wagen. Dabei war die weiße Masse noch vor zehn Jahren in Deutschland fast unbekannt. Inzwischen verspeisen die Deutschen pro Kopf knapp 300 Gramm Mozzarella im Jahr, bevorzugt auf Pizza und Tomaten. In Italien wird die 10-fache Menge davon verzehrt. „Mit dem neuen Bio-Mozzarella werden wir in den Supermärkten konkurrenzfähig sein“, hofft Luigi Gustozzi, einer der Produktionsleiter aus Tempelhof. Mit einem Umsatz von über 60 Millionen Euro in Italien, scheint die Francia Mozzarella GmbH auch den notwendigen Rückhalt zu haben, um in den deutschen Markt groß einzusteigen.

Berlin ist ein gutes Pflaster für die italienische Lebensmittelproduktion. Auch die Firma Freiberger hat mit ihrem Angebot an Pizzen, Pasta und Baguettes – fast alle aus dem Tiefkühlregal – schon längst den deutschen Markt erobert. 1976 übernahm Ernst Freiberger eine Pizza-Versand-GmbH mit 20 Mitarbeitern in Moabit. Heute produziert Freiberger in 17 verschiedenen europäischen Staaten und beschäftigt allein in Berlin 600 Mitarbeiter.Vivien Leue

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