Berlin : Müggelturm-Investor will Restaurant zum Einsturz bringen

Steffi Bey

Selim Kuzu, der potentielle Investor für das heruntergekommene Müggelturm-Areal, will ein Signal setzen. Der international aktive Kaufmann hat deshalb die Deckenstützen des Restaurants auf den Müggelbergen entfernen lassen.

Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann der seit Herbst vergangenen Jahres geschlossene Betonbau einstürzt. "Ich will mit dieser Aktion die Verantwortlichen im Bezirk und im Senat wachrütteln, damit endlich Entscheidungen für die Zukunft des touristischen Anziehungspunktes getroffen werden", macht der Geschäftsmann deutlich. Kuzu, der, wie berichtet, für rund 10 Millionen Euro das etwa 4500 Quadratmeter große Gelände umgestalten möchte, kann "die langwierige Verschleppungstaktik der Politiker" nicht verstehen. "Wir wollen hier oben etwas bewegen, es gibt seit fast einem Jahr ein ausgeklügeltes Konzept, aber es kann nicht umgesetzt werden, weil sich die Verantwortlichen uneinig sind und unsere Vorschläge nicht bearbeiten", sagt Selim Kuzu.

So seien unter anderem Fragen des Denkmalschutzes und die Höhe der Bebauung unklar. Er habe inzwischen den Eindruck, Investoren seien im Südosten der Stadt nicht willkommen. Dennoch will der Kaufmann weiterkämpfen, schließlich sind nach seinen Angaben mittlerweile rund 2,3 Millionen Euro in das Projekt geflossen: Für die Erstellung der Planungsunterlagen, Messungen, Bodenproben und Gutachten. Wäre es nach ihm und dem langjährigen Müggelturm-Betreiber Wolfgang Gerber gegangen, hätten die Bauarbeiten längst begonnen. Die beiden Geschäftsmänner fordern den Senat und den Bezirk zu einer Kompromisslösung auf - sonst habe der bekannte touristische Anziehungspunkt keine Zukunft. Geplant ist auf den 115 Meter hohen Müggelbergen eine Burganlage, deren zentrales Element nach wie vor der Turm ist. Doch soll er anders aussehen, als der vor 40 Jahren errichtete Betonklotz.

Der Köpenicker Architekt Ulrich Peickert hat ein Bauwerk entwickelt, das an den früheren hölzernen pagodenähnlichen Turm erinnert, der im Mai 1958 abgebrannt ist. Bis auf den Ausguck will Kuzu alle vorhandenen Gebäude abreißen lassen. Dafür sind vier Restaurants, ein Mittelklassehotel, ein Wellness-Center sowie ein Theater und eine gartenartig angelegte, begehbare Wasseraufbereitungsanlage geplant.

Kuzu glaubt, dass seine Abriss-Aktion "richtig angekommen ist". So gab es bereits einen Vor-Ort-Termin, das Gaststättengelände wurde gesperrt und Bürgermeister Klaus Ulbricht (SPD) meldete sich bei dem Investor. "Anfang nächster Woche werden wir uns zu einem Gespräch treffen", bestätigt Ulbricht. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will sich den Schwarzen Peter aber nicht zuschieben lassen. "Es gibt klare Absprachen zum Projekt", betont Pressesprecherin Petra Reetz.

Schließlich befinde sich das Gelände in einem Natur- und Wasserschutzgebiet. Beispielsweise könne es nicht angehen, dass der Investor plötzlich seine Hotel-Betten von rund 60 auf 180 erhöhe. "Eine politische Lösung für das gesamte Areal muss endlich her, und das gelingt nur, wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten", resümiert Selim Kuzu. Der Müggelturm kann übrigens nach wie vor besucht werden.

Eine unendliche Geschichte

Der Wäschereiunternehmer Carl Spindler ließ 1889 einen hölzernen pagodenähnlichen Turm bauen. Er brannte 1958 ab. Am 30. Dezember 1961 wurde ein neuer, achtstöckiger Aussichtsturm eingeweiht. Er ist 29 Meter hoch und aus Beton. 1991 erhielt die bcb GmbH von der Treuhand den Zuschlag für das Gelände. Zwei Jahre darauf sprang ein erster Investor ab, weil sein Konzept einer Hotelschule abgelehnt wurde. Anschließend entwickelte 1994 die Müggelturm-Tourismus & Service GmbH ein neues Konzept. Zwei Investoren verzichteten, weil die Eigentumsverhältnisse noch nicht geklärt waren. Erst ein Jahr später ging das Areal ans Land und wird seitdem vom Bezirk verwaltet. Seit 1995 steht der Gebäudekomplex unter Denkmalschutz - deshalb verabschiedete sich wieder ein Investor. 1996 entwickelten Wolfgang Gerber und Ulrich Peickert ein "ökologisches Konzept". Ein Hotel sollte entstehen, was aber nach dem Flächennutzungsplan (FNP) nicht zulässig war: Wieder ging ein Interessent. 2000 wurde der FNP geändert. Weil aber der Denkmalschutz sein Projekt ablehnte, sprang wiederum ein Investor ab. Seit 2001 will Selim Kuzu den Umbau des Areals finanzieren.

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