Berlin : Müll an den S-Bahn-Gleisen: Niemand fühlt sich zuständig

Klaus Kurpjuweit

Mehrere hunderttausend zusätzliche Fahrgäste hat die S-Bahn in den vergangenen Tagen durch den Streik bei der BVG gewonnen. Wie die Stammkunden genießen sie jetzt ganz besondere Aussichten aus den Zügen: ausrangierte Kühlschränke, verrottete Matratzen, defekte Fernseher, zerbrochene Stühle, zerfetzte Sessel, alte Haushaltsgeräte. Die Anlagen der S-Bahn neben den Gleisen sehen oft aus wie früher eine Kippe, als der Müll noch unsortiert abgeladen werden durfte. Für die Anlagen der Stadtreinigung (BSR) gibt es inzwischen aber strenge Auflagen.

Die S-Bahn kennt das Problem. Gehandelt hat sie aber noch nicht. Nach mehreren Beschwerden von Fahrgästen prüfe man derzeit, wer den Müll an den Bahnanlagen beseitigen muss, sagte gestern ein Sprecher. Weil sich inzwischen Tonnen von Abfall entlang den Schienen angesammelt haben dürften, kostet es eine Menge Geld, den Müll einzusammeln. Und vor den Kosten wollen sich alle drücken.

Beim Müllproblem ist die S-Bahn aber nicht allein. Auch Grünanlagen werden häufig als Abfalldeponie missbraucht. Hier müssen die Grünflächenämter einschreiten, die aber oft so wenig Personal haben, dass nicht einmal überquellende Mülleimer regelmäßig geleert werden können. Finanzielle Hilfe erhält derzeit nur Mitte von der Senatsstadtverwaltung, damit wenigstens der Abfall im Regierungsviertel einigermaßen schnell weggeschafft werden kann.

Liegt Sperrmüll an Straßen, müssen die Ordnungsämter die Stadtreinigung beauftragen, ihn zu entfernen – und dafür dann auch bezahlen. Dass Müll einfach irgendwo abgeladen wird, ist für BSR-Sprecher Bernd Müller unverständlich. Den meisten Sperrmüll nehmen die Recyclinghöfe der BSR gratis ab; auch elektronische Geräte. Geöffnet sind die Höfe werktags von 9 Uhr bis 19 Uhr und am Sonnabend von 7 Uhr bis 14.30 Uhr. Der S-Bahn aber hat dies offenbar nur wenig geholfen. Klaus Kurpjuweit

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