Müll in Berliner Parks : "Früher gab es so was nicht im 'Görli'"

Die CDU will die Stadt mit ihrer Kampagne "Berlin SauberMann!" in der Stadt aufräumen, zugleich soll das Müllproblem in Parks durch Grillverbote eingedämmt werden. Was halten die Berliner davon? Wir haben uns in Berliner Parks umgehört.

von und Anne Balzer,
Wo Plakate an Ampelmasten irgendwann zu urbanen Stadtmöbeln werden. Schlesische Straße, Kreuzberg.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Henning Onken
21.09.2017 10:50Wo Plakate an Ampelmasten irgendwann zu urbanen Stadtmöbeln werden. Schlesische Straße, Kreuzberg.

Über dem Görlitzer Park scheint die Sonne, auf den Grünflächen stapeln sich die Müllberge. Neben den viel zu kleinen Mülleimern, immerhin tragen einige Parkgäste ihre Hinterlassenschaften noch bis dorthin. Andere lassen sie gleich auf dem Rasen stehen und liegen. Gani Özdil, 75, und Aytekin Özgenc, 52, stört das. Sie sagen: „So viel Müll liegt hier, das ist nicht schön." Özdil hat früher lange Jahre in Spandau in einem Park in der Grünflächenpflege gearbeitet, da kannte er solche Zustände noch nicht, sagt er. Zurück auf den Straßen in Kreuzberg SO 36 fallen die vielen Graffito an den Wänden auf. Auch hier will die CDU tätig werden, sie an öffentlichen Gebäuden innerhalb von 24 Stunden beseitigen. Asha Rowe findet das nicht richtig. Die Künstlerin kommt aus Australien, aus Newport an der Ostküste, und sie läuft durch Kreuzberg, weil sie hier für ihre viermonatige Zeit ein in Berlin ein Zimmer sucht. „Ich bin unter anderem extra wegen der Graffiti hier, das ist für mich vielfach Kunst, und gerade das macht das kreative Berlin attraktiv.“

Im Mauerpark in Berlin Prenzlauer Park wedeln Plastiktüten im Wind, verlorene Grillplatten säumen die Wiese, Verpackungen und Glasflaschen liegen im Rasen. Eigentlich kein schöner Ort zum Picknicken. Alke Tilly (38) ist mit ihren zwei kleinen Kindern am Sonntagvormittag im Park unterwegs. "Das Grillen an sich ist ja nicht das Problem, aber die Leute sollten mehr Eigenverantwortung zeigen und ihrem Müll wegräumen", so die zweifache Mutter. Die Aktion "Berlin SauberMann!" sieht sie mit gemischten Gefühlen. " Klar zu dreckig soll es nicht sein. Aber Berlin ist halt Berlin, ich möchte auch nicht in einer hypersauberen Stadt leben".

"Ich schäme mich für diese Stadt!"
"Ich schäme mich für diese Stadt", schreibt uns Leser Günther Kuhring angesichts eines Spaziergangs zwischen dem Hackeschen Markt und Altem Museum am vergangenen Samstag (17.03.2012). "Eine Zone, die den Trinkern, Vandalen und Grillern überlassen ist", beklagt er sich. Liebe Leserinnen und Leser: Ärgern Sie sich auch über Müll in Parks oder Hundekot auf den Straßen? Senden Sie Ihre Fotos an leserbilder@tagesspiegel.de.Weitere Bilder anzeigen
1 von 28Foto: Günther Kuhring
19.03.2012 10:41"Ich schäme mich für diese Stadt", schreibt uns Leser Günther Kuhring angesichts eines Spaziergangs zwischen dem Hackeschen Markt...

Vivien Rahn (23) aus Berlin Wedding sucht mit ihren Freundinnen einen freien Platz zwischen dem ganzen übrig gebliebenen Müll, um mit Picknickkorb und Decke in den Tag zu starten. "Ja wenn wir hier auch nicht mehr Grillen dürfen, bleibt ja nur noch der eigene Balkon", lachen die Mädels. "Oder der Flughafen Tempelhof" gehen die Überlegungen weiter. Eine wirkliche Alternative gibt es aber nicht. Dirk Schwarzart (39) genießt mit seiner Familie ebenfalls die ersten Sonnenstrahlen im Mauerpark, er begrüßt das Verbot "Wir picknicken hier nur, aber in dem Müll macht das kein Spaß mehr. Wenn die Leute das Zeug nicht wegräumen, dann muss es halt verboten werden. Allerdings sind die öffentlichen Müllbehälter absolut nicht ausreichend. Wir nehmen schon immer unsere eigenen Müllbeutel mit".

Eine junge Frau aus Kreuzberg stöbert auf dem angrenzenden Trödelmarkt. Sie hält nicht viel von dem bevorstehenden Verbot. "Es gibt einfach zu wenig Grünflächen, die Leute müssten einfach mehr sensibilisiert werden ihren Müll wegzuräumen, dann gäbe es da Problem auch nicht. Auch die Aktion "Berlin SauberMann!" passe nicht zu der Stadt, sagt die Frau. "Die Graffitis gehören einfach zur Hauptstadt, je mehr es verboten wird, desto mehr wollen die Sprayer erst recht ein Zeichen setzen. Man sollte eher in Richtung Legalisierung denken".
Auch Nadine Müller (21) witzelt über das zukünftige Grillverbot "Dann bleibt bald wirklich nur noch der Balkon oder vielleicht der Rosenthaler Platz oder das Spreeufer". Sie wohnt erst seit kurzem in Wedding, aber auch für sie prägen die Graffitis das Stadtbild.

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