Müllberge in Berlin : Die BSR reinigt 12 Parks - aber nicht die dreckigsten

Das große Freiluft-Sommervergnügen hat begonnen: Picknick, Kindergeburtstag, Katerfrühstück. Danach bleiben oft Müllberge zurück. In einigen Parks soll sich das nun ändern.

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Volle Parks, volle Container. Im Volkspark Friedrichshain quellen die XL-Metallgitterkörbe nach jedem Wochenende über. In den meisten anderen Parks der Stadt sieht es ähnlich aus.
Volle Parks, volle Container. Im Volkspark Friedrichshain quellen die XL-Metallgitterkörbe nach jedem Wochenende über. In den...Foto: Robert Schlesinger/dpa

Ab 15 Grad Außentemperatur werden die Griller aktiv, ab 20 Grad kommen Parkpartys in Schwung, gerne spontan oder als Kindergeburtstag, Familienpicknick, WG-Treffen, Lerngruppe, Kumpelgelage, Katerfrühstück  – die Nutzungspalette von Berliner Parkanlagen ist unbegrenzt. Das große Freiluft-Sommervergnügen hat begonnen, und nach den langen warmen Wochenenden kommt für die Parkbetreiber das böse Erwachen: Überquellende Müllberge, zerborstene Glasflaschen, Kronkorken, Plastikbesteck, abgestorbener Rasen, Trampelpfade...

Ab Juni wird alles besser, nicht überall, aber immerhin. Dann beginnt ein Pilotprojekt zwischen Senat und BSR. Zwölf Parkanlagen werden zwei Jahre lang von den Profi-Straßenreinigern gesäubert und entmüllt, auch am Wochenende und an Feiertagen, „bedarfsgerecht“, sagt BSR-Sprecher Thomas Klöckner. Dafür verzichtet das Land auf die übliche Ausschüttung der BSR in Höhe von 7,3 Millionen Euro pro Jahr. 100 neue Stellen werden bei der BSR geschaffen. Das Problem: Es sind nur zwölf Parks dabei, intensiv genutzte und vermüllte Parks wie der Mauerpark oder der Monbijoupark sind nicht im Paket.

Mauerpark hätte BSR zu stark beansprucht

„Wir wollten einen normalen Park nehmen“, sagt Pankows Stadtrat für Grünflächen, Jens-Holger Kirchner (Grüne). Der Mauerpark hätte die Kapazitäten der BSR zu sehr beansprucht, glaubt Kirchner. Der Park am Weißensee, der künftig von der BSR gereinigt wird, werde auch innerhalb der Woche stark genutzt. Das Pilotprojekt findet der Grünen-Politiker wegweisend, die BSR sollte längerfristig die Reinigung in allen Parks der Stadt übernehmen. Der Mauerpark wird jeweils am Montagfrüh von einer Privatfirma gereinigt und entmüllt, den Rest der Woche sind dann Mitarbeiter des Bezirksamts aktiv. So soll es bis auf Weiteres bleiben. Erst nach Fertigstellung des erweiterten Mauerparks 2019 könne neu über die Parkpflege verhandelt werden. Die landeseigene Grün Berlin würde den Betrieb des Mauerparks, und damit auch die Pflege, gerne übernehmen. Das könnte aber bedeuten, dass die Regeln strenger werden und ihre Einhaltung von Parkwächtern kontrolliert werden wie auf dem Tempelhofer Feld. Kirchner möchte das Grillen künftig an zehn festen Grill-Pavillons konzentrieren.

Müll, Dreck und Vandalismus in Berlin
An die Ampel gestopft. Muss das sein? Nur ein alltägliches Beispiel aus Friedrichshain, wie achtlos Coffee-to-Go-Trinker mit ihren Bechern umgehen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 151Foto: Henning Onken
27.07.2017 09:09An die Ampel gestopft. Muss das sein? Nur ein alltägliches Beispiel aus Friedrichshain, wie achtlos Coffee-to-Go-Trinker mit ihren...

Am Himmelfahrtswochenende glich der Mauerpark zeitweise einem wilden Camp. Neben dem Flohmarkt, der ein treues Publikum hat, war auch die Grünfläche am Sonntagnachmittag voller Menschen. Die Müllbehälter konnten den Grill- und Party-Abfall längst nicht mehr fassen. Mülltüten und leere Flachen wurden einfach danebengestellt, auf einer kleinen grillfreien Fläche wuchs eine wilde Müllhalde heran. Niemand störte sich daran. Der Rasen: teils kaputtgetrampelt, teils ebenfalls vermüllt. Der Wind trieb Staubschwaden über das Gelände.

Der Park am Friedrichshain war ebenfalls voller Menschen, funktionierte aber noch ganz gut. Nur ein XL-Metallgitterkorb quoll über. Der Park an der East Side Gallery bot ein trauriges Bild: Glasscherben auf den Wegen, die Mülleimer übervoll, Partyreste verstreut. Ein Touristenpaar aus Darmstadt: „Das ist hier schon extrem vermüllt.“ Ganz anders als an den übrigen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Hier ist der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zuständig, möchte die Verantwortung aber gerne an die Stiftung Berliner Mauer abtreten. Die Verhandlungen dazu laufen, kommen aber offenbar nicht voran.

Im Schlesischen Busch in Treptow hat der Bezirk mitten im Park einen 7,5-Tonnen-Container für den Grillmüll aufgestellt. Am Sonntagnachmittag ist das Ding voll. Schön ist das nicht, aber effektiv. Auch hier wird die BSR nicht aktiv werden, der Bezirk hat sich für den Louisenhain in Köpenick entschieden.

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