Berlin : Münchhausens Kanonenkugel und Löwe Zulu

Claus-Dieter Steyer

Mit einem einmaligen Angebot will der Filmpark Babelsberg am morgigen Sonnabend in seine neue Saison starten. Der Requisitenfundus, der mit mehr als einer Million Gegenständen im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet ist, steht für Besucher offen. Bei gewöhnlichen Besichtigungstouren bleiben die Türen zu diesem Schatz inzwischen verschlossen. "Es ist ein in der ganzen Welt bekanntes und geschätztes Archiv, so dass Führungen da den Betrieb nur schaden würden", sagt Matthias Voß, Manager des Filmparks. "Zur Eröffnung der nunmehr siebten Saison wollen wir aber eine Ausnahme machen." Zu den wertvollsten Stücken zählen der Kopf des Fuchur aus der "Unendlichen Geschichte", Münchhausens Kanonenkugel, das Metropolis-Labor sowie Kulissen aus dem Film "Katharina die Große".

Ab 10 Uhr werden am Eingang Großbeerenstraße die ersten Besucher durch Schauspieler der in den Studios entstehenden Fernsehserie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" sowie Maskottchen begrüßt. Besucher unter 1,20 Meter Körpergröße und alle Geburtstagskinder haben zur Feier des Tages bis 18 Uhr freien Eintritt. Manager Voß verspricht viele Überraschungen.

Auf neue Attraktionen müssen die Besucher in diesem Jahr allerdings verzichten. "Wir konsolidieren uns und wollen die vorhandenen Shows verbessern und stärker vermarkten", kündigt der neue Geschäftsführer Rene van der Putten an. Die Besucher erwarteten eine Traumwelt. Die werde ihnen in Babelsberg geboten. Sicher könne die Begegnung mit Stars von der Leinwand nicht garantiert werden. Aber zumindest könnten sie auf den Spuren von einstigen und heutigen Prominenten wandeln.

40 Millionen Mark seien bisher in den "einzigen Entertainmentpark Ostdeutschlands" gepumpt worden. "Da sind keinerlei staatliche Zuschüsse dabei. Wenn wir nur einen Bruchteil der Millionensumme für die Bundesgartenschau hätten, könnten wir noch viel attraktiver werden, vor allem auf Dauer", erklärt der Holländer mit einem Seitenhieb auf die immer großzügiger werdende Förderung der Buga 2001. So kosteten originale Filmkulissen viel Geld. Selbst Utensilien des im Augenblick in den benachbarten Studios entstehenden Stalingrad-Filmes könnten nicht so einfach in den Park geholt werden. Ohnehin müsse erst der Kinostart in den USA abgewartet werden, sagt van der Putten.

Im vergangenen Jahr passierten 572 000 Menschen die Kassen. Sie kamen vorwiegend aus Brandenburg, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Für 2000 werden 580 000 anvisiert, um in drei Jahren möglichst die Millionengrenze zu überschreiten. Zu diesem Zeitpunkt läuft auch der Pachtvertrag mit der Nachfolgerin der Treuhandanstalt aus. Doch der Geschäftsführer weist alle Spekulationen über die Zukunft des Parkes zurück. "Wir haben so viel investiert, beschäftigen 125 Mitarbeiter und gehören zu den wichtigsten Attraktionen Potsdams. Das kann man nicht mit einem Federstrich einfach auslöschen", sagt van der Putten. In diesem Jahr soll die Zusammenarbeit mit der Schlösserstiftung und dem Filmmuseum verstärkt werden. Es sei doch ein herrliches Angebot für Touristen, an einem Tag durch den Park Sanssouci zu bummeln und am nächsten Tag die Kinder für ihre Ausdauer im Filmpark mit viel Spaß zu belohnen.

Zu den Höhepunkten in diesem Sommer gehört ein großes Kinderfest vom 1. Bis 3. Juni. Ältere Besucher sollen am 22. Juli und am 5. August nach Babelsberg gelockt werden. Dann stehen erstmals lange Filmnächte auf dem Programm. "Lichtshows schaffen eine wunderbare Atmosphäre, Gespenster treiben ihr Unwesen, irgendwo in der Kulissenstadt fällt lautstark ein Grabstein um", verrät Manager Voß einige Pläne. Unter freiem Himmel soll ein Ufa-Klassiker laufen, zu dem das Babelsberger Filmorchester die passende Musik liefert.

Ohnehin wollen die Veranstalter mehr Abendprogramme anbieten. Der Vulkan hat 2500 Plätze und diente bisher hauptsächlich der jeweils um 14 Uhr beginnenden Stuntshow. Künftig sollen hier verstärkt Konzerte aller Art stattfinden. Auch Anhänger der Riesengarde "Lange Kerls" und alter Militärtradition kommen auf ihre Kosten. Am 9. September steigt die im Vorjahr so erfolgreiche filmhistorische Parade mit mehr als 100 Traditionsvereinen.

Der Filmpark Babelsberg ist bis zum 5. November täglich zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene kostet 29 Mark, Kinder, Schüler, Studenten, Senoiren und Arbeitslose zahlen 26 Mark. Für Gruppen gibt es Ermäßigungen. Neu in diesem Jahr ist eine so genannte Flimmy-Karte für Kinder, die in Begleitung von Erwachsenen nur 16 Mark bezahlen müssen. Außerdem wird eine Familienkarte verkauft.Zu erreichen ist der Filmpark von Berlin aus mit der S-Bahn aus Wannsee bis zum Bahnhof Griebnitzsee und einem kleinen Fußweg. Autofahrer nutzen die Ausfahrt Potsdam-Babelsberg auf der A 115 (verlängerte Avus) sowie die Nuthestraße bis zur Ausfahrt Wetzlarer Straße. Der Weg zum Filmpark ist ausgeschildert. Informationen unter der Telefon-Nummer 01805/34 56 72 oder im Internet unter www.filmpark.de

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