Mütter-Blog : Das Mütter-Dasein auf dem Land und in der Stadt

Zwei befreundete Mütter leben zwei verschiedene Lebenskonzepte: Die eine im Großstadt-Kiez und die andere auf dem Land. Ein kleiner Wettkampf, der nun in ihrem Blog „Stadt Land Mama“ ausgetragen wird.

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Vor zehn Monaten war alles so, wie es das Klischee verlangt: zwei Mütter, Latte Macchiato, Altbauwohnung am Senefelder Platz, Prenzlauer Berg. Doch dann zog Lisa Harmann mit ihrem Mann und den drei Kindern nach Westdeutschland und noch schlimmer: auf's Land! Sie wollte ihre Kinder fernab von Autoabgasen und Lärm im Grünen aufwachsen sehen. Caroline Rosales blieb allein zurück, in einem Leben, das so viele Mütter in der Großstadt führen: zwischen Kita und ihrem Job als Journalistin. Und Harmann hatte nun unter dem Dach der Großfamilie zwar das Babysitterproblem dauerhaft gelöst, dafür fehlte ihr die Spontaneität. Was blieb, war die Freundschaft. Im Internet tauschten sich die beiden Mütter über ihre verschiedenen Lebensweisen aus – und trafen damit offenbar einen Nerv. Ihren Blog „Stadt Land Mama“ besuchen täglich bis zu 2000 Frauen. Es geht um Themen wie Gleichberechtigung, Herdprämie, Geburtenrate und Plazentapartys. „Gepostet wird, was wir erleben und uns im Kopf rumschwirrt“, sagt Rosales.

Die beiden Journalistinnen – im Netz nur als „Caro und Lisa“ bekannt“ – verstehen ihr Handwerk. Sie lassen ihre Leser an ihrem Privatleben teilhaben, ohne die Distanz zu verlieren. In einem Beitrag schreibt Harmann über ihren „Arschloch- Tag“ und postet ein Foto ihres verheulten Gesichts. „Es war ein Tag, wie ihn jede Mutter kennt. Ich war angespannt, hatte wenig Zeit, und nichts hat geklappt.“ Solche Tage kennen Mütter in der Stadt und auf dem Land. Doch was sind die Unterschiede? „Ich bin gelassener geworden“, sagt Harmann. Die Ruhe, die frische Luft. „Auch meine Kinder sind jetzt nicht mehr andauernd krank.“ Rosales kontert: „Es gibt viele Städte, in denen die Luft schlechter ist als in Berlin.“ Und: „Wir kaufen viel frisches Obst und Gemüse aus dem Biomarkt.“ Und von denen gibt es in Prenzlauer Berg sicherlich mehr als im provinziellen Overath. „Hier im Kiez habe ich alles vor der Tür“, sagt Rosales. „Ich möchte nicht so abgeschnitten von der Welt sein.“ Spontan auf den Spielplatz, die Cafés, BVG und S-Bahn, das alles möchte sie nicht missen. Für Lisa Harmann ist die nächste Großstadt 25 Minuten entfernt. Tauschen möchten beide nicht mehr.

Das gemeinsame Schreiben begann während Rosales Schwangerschaft. Sie hatte tausend Fragen: Wie geht Sex mit Babybauch? Kann ich mir bei der Geburt das Steißbein brechen? Ehrliche, schonungslose Antworten wollte sie und suchte Rat bei ihrer besten Freundin, der dreifachen Mutter. Die beiden stellten während ihrer Gespräche fest, dass es vielen Frauen ähnlich ging wie ihnen – und wollten ein Forum gründen. Die Antworten mündeten nicht nur in dem Blog, sondern auch in dem Buch „Ich glaub, mich tritt ein Kind“, das sie am Sonntag in Berlin vorstellen.

„Ich glaub, mich tritt ein Kind!“, erscheint am 1. März bei dtv, 240 Seiten, 9,90 Euro. Die Autorinnen lesen daraus am Sonntag um 15 Uhr im Kindercafé Zuckerschnute, Rykestr. 15, Prenzlauer Berg. www.stadt-land-mama.de

Und was meinen Sie? Wo lebt es sich besser? In der Großstadt oder auf dem Land? Diskutieren Sie mit!

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