Berlin : Mukoviszidose: Heckeshorn: Gemütlich wie ein Wohnzimmer

Die Lungenklinik Heckeshorn liegt oberhalb des Wannsees inmitten eines Waldgebietes. Von ungemütlichem "Medizin-Flair" ist hier nichts zu spüren: Auf der Station und in der Mukoviszidose-Ambulanz hängen überall Bilder und Fotos. Hier werden aber nicht nur junge Patienten betreut, sondern auch Erwachsene, die an Mukoviszidose oder auch Cystische Fibrose leiden. Am vergangenen Freitag lud Heckeshorn nun schon zum zweiten Christiane-Herzog-Tag ein.

Im November vor zwei Jahren wurde in dem inzwischen zur Zentralklinik Emil von Behring gehörenden Fachkrankenhaus das erste deutsche Christiane-Herzog-Zentrum eröffnet, das die Herzog-Stifung mit einer Million Mark Umbaukosten einrichtete. Frau Herzog musste sich damals schon aufgrund ihres Krebsleidens vertreten lassen.

Die verstorbene Frau des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog engagierte sich 15 Jahre lang für Mukoviszidose-Patienten. Sie gründete Mitte der achtziger Jahre den Verein Mukoviszidose-Hilfe e.V., aus dem 1996 die Christiane-Herzog-Stiftung hervorging. Die Erlöse aus ihrer Koch-Serie "Zu Gast bei Christiane Herzog" und aus dem Verkauf des gleichnamigen Buches kamen allesamt Patienten dieser unheilbaren Stoffwechselkrankheit zugute. Und es war Christiane Herzog "wurscht", wie sie einmal sagte, ob sie mit ihren Engagements als 1998 gekürte "Küchenfrau des Jahres" das Heimchen am Herd verkörperte.

"Es ging meiner Mutter darum, über die Krankheit aufzuklären und Gelder für Forschung und Therapie zu sammeln", sagt Hans-Georg Herzog, der mit seinem Bruder Markus und anderen Ehrenamtlichen auch nach dem Tod der Mutter die Stiftung betreut. Inzwischen vergibt die Stiftung jährlich einen "siebenstelligen Betrag" für CF-Zentren und Forschung.

Die Christiane-Herzog-Stiftung hat in der Berliner Lungenklinik ein modellhaftes Zentrum für Mukoviszidose-Patienten finanziert, in dem auch auf die Bedürfnisse von erwachsenen Mukoviszidose-Patienten zum Beispiel durch Sozialarbeiter eingegangen wird. Heckeshorn ist außerdem eine Fachklinik, die fachübergreifende Versorgung auf höchstem medizinischem Niveau garantiert.

In Berlin und Brandenburg leiden rund 360 junge und ältere Menschen an Mukoviszidose: Mit 180 Patienten ist Heckeshorn die größte der neun regionalen CF-Ambulanzen. Stationär gibt es 22 Betten, darunter sieben Einzelzimmer, die wegen der Keimhygiene notwendig sind: Die Patienten dürfen sich nicht untereinander mit aggressiven Keimen anstecken. Die ambulante Tagesklinik mit zwei weiteren Betten erhält von der Kassenärztlichen Vereinigung ein Budget von rund 170 Mark pro Patient pro Quartal. Um Kosten für die Therapien abzudecken, wären 1000 Mark nötig. Bisher wird eine Anhebung der Kostenerstattung mit dem Argument blockiert: "Wir wollen den Mehraufwand nicht zahlen. Da könnten dann ja auch andere chronisch Kranke kommen", sagt Oberärztin Doris Staab.

Die CF-Behandlung ist sehr komplex: Neben Fachärzten arbeiten in Heckeshorn Diätassistenten, Krankengymnasten, Sozialarbeiter und Psychologen. Ohne einen jährlichen Zuschuss von rund 320 000 Mark durch die Herzog-Stiftung könnten diese Stellen nicht finanziert werden.

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