Berlin : Multi-Dienstleister Peter Dussmann

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Aus seiner gläsernen „Kommandobrücke“ hoch oben auf dem Kulturkaufhaus, das seinen Namen trägt, kann er auf ganz Berlin hinabschauen. Ein hellblauer Teppich mit weißen Tauben, Empireschränke und Uhren, eine kleine Abbildung der Fortuna. Im Reich des Herrn über „den weltweit größten privaten Multi-Dienstleister“ mit 49300 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro geht die Sonne nicht mehr unter. In knapp 30 Ländern ist er mittlerweile aktiv, in Russland, China, Vietnam, Saudi-Arabien und Mexico. Ein wenig erstaunt über seinen eigenen Erfolg scheint der agile, bescheiden auftretende und eher zierliche Mann mit seinem schwäbischen Akzent und einen weißen Seemannsbart: Alles sei „Zufall“ gewesen.

Die Meldung über „Heimpflegedienst für Junggesellen in Köln“ 1963 war der Anstoß, so etwas selbst in München zu starten. „Blödsinnige Chefs“, wie er sie vorher bei der Büromittel-Firma Fortschritt in Wiesbaden zu ertragen hatte, oder Almosen, wie er sie in der elterlichen Buchhandlung in Rottweil bekam, war er leid. Sein Gründungskapital brachte der Verkauf seines ersten Opel. Das junge „Unternehmen“ wuchs schnell. Er hat gemerkt, „wenn man beim Kunden drin war, kann man noch viel mehr machen“. Als neues Feld entdeckte er die Gebäudereinigung und setzte auf Industriekunden. Als Erster hat er auch „Krankenhäuser gemacht“, von der Reinigung bis zum Catering. „Facility Management“ heißt das heute. Gerade hat Peter Dussmann einen „mehrere hundert Millionen schweren Vertrag“ für die Bewirtschaftung von 3000 Wohnungen in St. Petersburg verhandelt. Gebäude sind seine Leidenschaft, vor allem alte, ehrwürdige, für deren Wiederherstellung er viel einsetzt. Etwa das Schloss Zeuthen, sein nobler Berliner Wohnsitz.

Berlin hat den eifrigen Pfadfinder und aktiven „Jugendparlamentarier“ schon Ende der 50er Jahre bei Besuchen begeistert. In der Lindenoper ist ihr heute so finanziell großzügiger Förderer damals eingeschlafen. Froh ist er, den Firmensitz 1994 hierher verlegt zu haben. Seinen Berliner „Durchbruch“ hat er mit dem Kunden „Neue Nationalgalerie“ geschafft. In dieser Stadt hat er in „drei Jahren mehr interessante Menschen kennen gelernt als in 30 Jahren in München“.

Seine zweite Frau allerdings hat er vor 25 Jahren in Beverly Hills getroffen. Er liebt Amerikanisches, weil es „pflegeleichter“ sei. Seefahrt ist sein Hobby, mit seiner Motoryacht hat er mehrfach den Atlantik überquert. Einen Nachfolger für seine weiter expansive Unternehmensgruppe sieht Peter Dussmann nicht. Die einzige Tochter hat sich für „die Musen“ entschieden. Der vierköpfige junge Vorstand führt heute die Geschäfte. Vielleicht wird es einmal eine Stiftung werden. Für die Kultur und für soziale Taten würde auch sie sich verpflichtet fühlen. Er selbst will jetzt erst mal die Lindenoper „sanieren“ helfen.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels

Peter Dussmann (66), Der Buchhändler und Unternehmer ist

Gesellschafter und Aufsichtsratsvorsitzender der Dussmann AG und Vorsitzender des Fördervereins Freunde der Staatsoper

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