Berlin : Munitionslager gibt der Polizei Rätsel auf

Auf das Depot in Velten stießen die Beamten bei Ermittlungen zum offenbar politischen Mord an dem Tschetschenen Magomed Balaev

Tanja Buntrock

Velten - Noch immer ist den Ermittlern des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft nicht ganz klar, was ein 29-jähriger Mann aus Kasachstan mit den Sprengmitteln und der Munition, die er in einer Lagerhalle versteckt hatte, tun wollte. Der am Mittwoch festgenommene Elmar P. schweigt dazu. Doch wie sich herausstellte, habe er diese während seiner Bundeswehrzeit mitgehen lassen, ebenso wie Teile seiner Uniform. Anhaltspunkte für einen illegalen Waffenhandel lägen nicht vor, sagte Justizsprecher Michael Grunwald gestern.

Wie berichtet, hatten Polizisten am Mittwoch eine Lagerhalle in Velten, nördlich von Berlin, durchsucht: Dort fanden sie zwei Kisten: Sie waren gefüllt mit einer Übungsgranate, zwei Übungsminen, 20 Patronen im Kaliber 7 Milimeter, 37 Patronen Maschinengewehr-Munition sowie Rauch- und Leuchtsignalpatronen. „Die gefundenen Waffen sind nicht ungefährlich. Doch für einen groß angelegten Terroranschlag reicht der Munitionsfund nicht aus“, sagte Grunwald. Neben der Halle in Velten seien auch fünf Objekte in Berlin durchsucht worden. Nähere Angaben dazu gab es gestern nicht.

Der Fund steht in Zusammenhang mit dem Mord an dem 39-jährigen Tschetschenen Magomed Balaev. Am Mittwochvormittag war Elmar P., der als dringend Tatverdächtiger mit Haftbefehl gesucht wurde, von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei in Wilmersdorf gefasst worden. Er soll gemeinsam mit einem gleichaltrigen deutschen Komplizen, der bereits in Untersuchungshaft sitzt, Balaev im Februar ermordet haben. Bei der Verhaftung sei die Polizei „auf Hinweise gestoßen“, die zu der Lagerhalle nach Velten führten, sagte Grunwald. Die Ermittlungen dazu dauerten an.

Die Leiche von Magomed Balaev wurde Ende Februar in der Nähe der Autobahnabfahrt Ferch gefunden. Der tschetschenische Widerstandskämpfer Balaev hatte im Juni 2000 Asyl in Deutschland erhalten und lebte in Berlin. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann Opfer eines politisch motivierten Auftragsmordes geworden ist. Während des ersten Tschetschenienkrieges von 1994 bis 1996 soll Balaev Feldkommandant unter Ex-Präsident und Rebellenführer Aslan Maschadow gewesen sein. Wie es hieß, soll Balaev im Februar stranguliert worden sein. Die Ermittler waren nach dem Fund der Leiche davon ausgegangen, dass das Opfer an einem anderen Ort ermordet und die Leiche dann bei Ferch abgelegt worden war. Die Art und Weise, wie der Mord geschah, ließ die Ermittler schnell davon ausgehen, dass die Täter aus dem Umfeld der organisierten Kriminalität stammen müssten.

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