MUSEUM DER DINGE : MUSEUM DER DINGE

Da ist zum Beispiel das Amulett. Es zeigt zwei Friedenstauben; der politische Häftling Fadil Al Saokal schnitzte es für seinen Bruder Zakaria in einem syrischen Gefängnis aus einem Pfirsichkern. Zakaria nahm das Amulett auf seiner Flucht nach Berlin mit; er spendete es dem Museum Neukölln am Schloss Britz. Nach Jahren als Asylbewerber ist Zakaria längst eingebürgert.

Oder der schwarze Kasten, auf dem „Transformator für Eisenbahn“ steht: In Wahrheit ist es ein Sprengsatz, den Kaufhauserpresser Dagobert im KaDeWe deponiert hatte, der aber nicht hochging. Arno Funke alias Dagobert war Rudower. So kam die Bombe ins Museum.

Anhand von 99 Exponaten wird dort in der Ausstellung „99 x Neukölln“ lokale Geschichte erzählt, und der Besucher bestimmt selbst, wie sehr er in die Tiefe gehen will. Dazu gibt es an jeder Vitrine einen Flachbildschirm. Wer mehr über einen Gegenstand wissen will, findet eine Menge Historisches, Film- und Tondokumente und persönliche Geschichten. An Terminals kann man auch nach Exponaten suchen, die mit der eigenen Straße oder bestimmten Themen zu tun haben. Und jeder, der eigene Erlebnisse zu erzählen hat, kann sie beisteuern. Hier, im einstigen Pferdestall des Gutshofs Britz, hat das Museum erst seit Mai seinen Sitz.

Bloß nicht vom ersten Eindruck (ent)täuschen lassen. Nur ein Raum mit sechs Vitrinen? Der Charme entsteht über die Geschichten zu den Exponaten. So kann ein Kleiderbügel auf ein tragisches Leben verweisen, erzählen zwei Stoffpuppen die Lovestory des US-Majors Frank Eyre, der seine deutsche Sekretärin Ingeborg Rymarczik liebte. Es folgten Jahre der Sehnsucht, dann ein neues Leben. Die Puppen spendete Ingeborg Eyre. fk

Museum Neukölln, Di–So von 10–18 Uhr geöffnet, Eintritt frei.

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