Berlin : "Museum der verbotenen Kunst": Stabwechsel im alten Grenzturm

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Zehn Jahre nach seiner Gründung löst sich der Verein des "Museums der verbotenen Kunst" zum 31. Dezember auf. Das Domizil, der ehemalige Grenzwachturm an der Puschkinallee, bleibt jedoch weiter geöffnet. Seit 1990 hatten die Mitglieder das Museumsleben organisiert. Etwa 40 Ausstellungen wurden bisher in dem Betonbau gezeigt. "Sämtliche Künstler hatten sich mit dem Thema Mauer beschäftigt", berichtet der Vereinsvorsitzende Roland Prejawa. Zeitweilig war im denkmalgeschützten Turm auch ein kleines Café untergebracht, und nicht selten lud der Verein zu Führungen entlang der ehemaligen Grenze ein.

"Wir wurden nach und nach immer weniger, und der Zeitaufwand erhöhte sich", sagt Prejawa. Weil man nicht mehr gewährleisten könne, den Turm jedes Wochenende zu öffnen, beschlossen die letzten beiden Mitglieder, den Verein abzumelden. Als der Bezirk, dem der graue Betonklotz gehört, davon erfuhr, begann die Suche nach einem neuen Betreiber. Der ist inzwischen auch gefunden. So wird der Tourismusverein Köpenick-Treptow in den nächsten Wochen einen Vertrag mit dem Bezirksamt abschließen. Spätestens im März nächsten Jahres soll dann das Konzept verwirklicht werden. Zuvor sind einige Instandsetzungsarbeiten notwendig. "Das Dach, die Regenrinne und das Fundament müssen erneuert werden", kündigt Kulturstadtrat Joachim Stahr (CDU) an. Rund 20 000 Mark will der Bezirk dafür bereitstellen.

Der Tourismusverein plant, den Wachturm an fünf Tagen pro Woche zu öffnen. Nach wie vor sollen Ausstellungen gezeigt und damit an die Teilung Deutschlands erinnert werden. Geplant ist unter anderem, dort Teile der Schau "Geteilte Nachbarschaft - Erkundungen im ehemaligen Grenzgebiet" als Dauerleihgabe des Heimatmuseums zu präsentieren. "Wir wollen auch diesen geschichtsträchtigen Ort als Ausgangspunkt für Führungen nutzen", sagt Michael Diehl vom Tourismusverein. Fördermittel für zwei ständige Mitarbeiter sind bereits beantragt.

Neben dem Turm will der Verein zusätzlich einige Mauerteile aufstellen, um die Wirkung des Geländes am Schlesischen Busch noch zu verstärken. Die Künstlerin Angela Bohnen kündigte außerdem an, den Verlauf der Grenze durch blaue und rote Steine zu markieren. Diehl geht davon aus, dass dieses Projekt durch Spenden ermöglicht werden kann.

Bis zum 12. November sind im Wachturm Fotografien unter dem Titel "Wo war die Mauer?" zu sehen. Das Museum ist sonnabends und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

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