Museum wird erweitert : Sammlung Berggruen baut an

Das Museum Berggruen in Charlottenburg wird um das benachbarte Kommandantenhaus erweitert und erhält bis 2012 auch einen Skulpturengarten.

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Blick aus dem Garten. Seit 1996 war die Berggruen-Sammlung im westlichen Stüler-Bau (r.) untergebracht, nahe dem im Hintergrund sichtbaren Schloss Charlottenburg. Künftig wird das Museum ums benachbarte Kommandantenhaus erweitert.
Blick aus dem Garten. Seit 1996 war die Berggruen-Sammlung im westlichen Stüler-Bau (r.) untergebracht, nahe dem im Hintergrund...Simulation: Promo/Kuehn Malvezzi

Der Sammler hatte einen Traum – und den Weg, wie er zu verwirklichen wäre, lag ihm direkt vor Augen. Er musste nur aus seiner Wohnung in den Garten und aufs Nachbargebäude blicken. Dort gab es genug zusätzlichen Platz, weiteren Raum für die von ihm gesammelten Werke von Picasso, Klee, Matisse und all den anderen. Denn sein bisheriges Haus, so schön es auch war und so großer Beliebtheit es sich auch erfreute, war in seinem Raumangebot doch ein wenig begrenzt.

Heinz Berggruen selbst soll den Wunsch gehabt haben, das seit 1996 im westlichen Stüler-Bau, gegenüber von Schloss Charlottenburg untergebracht, nach ihm benannten Museum ins Nachbargebäude hinein zu erweitern. Nicolas Berggruen, der ältere Sohn, habe ihm dies erzählt, flocht Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz in seine Rede ein, eine der vielen, die am Dienstagvormittag beim Richtfest für die Erweiterung des Museums Berggruen gehalten wurden, bevor es zum Hochziehen der Richtkrone und dem traditionellen Richtschmaus kam. Gekommen waren auch Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Michael Eissenhauer, Direktor der Staatlichen Museen, Jan Mücke, Staatssekretär im Bundesbauministerium, allerdings keiner der Berggruens.

Ein gläserne Pergola verbindet die beiden Gebäude.
Ein gläserne Pergola verbindet die beiden Gebäude.Foto: Promo

Der Traum wird also in Erfüllung gehen, eine für die hiesige Museumslandschaft äußerst erfreuliche Nachricht, auch wenn die vielen Freunde der Sammlung – seit 1996 begeisterte sie zwei Millionen Besucher – jetzt erst mal ausgeschlossen sind. Seit einigen Wochen ist das Museum zu, die Werke sind ausgelagert, und es wird noch bis zum Sommer 2012 dauern, dass es mit dem Nachbargebäude am Spandauer Damm, dem sogenannten Kommandantenhaus, und einem dann neu angelegten Skulpturengarten wiedereröffnet wird.

Der Erweiterungsbau war 2007 von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz beschlossen worden, der Bund lässt sich die Arbeiten 6,5 Millionen Euro kosten. Während der westliche wie auch der östliche, für die Sammlung Scharf-Gerstenberg genutzte Stüler-Bau ursprünglich Offizieren des Regiments Garde du Corps als Kaserne dienten, wurde das 1892/93 von Garnison-Bauinspektor Kahl gebaute, gleichfalls unter Denkmalschutz stehende Kommandantenhaus als Wohngebäude für verheiratete Unteroffiziere genutzt. Bis 2004 war darin ein Kindergarten untergebracht, danach das Puppentheater Berlin. Auch Pläne für ein bezirkliches Kunstmuseum gab es, die nach dem Angebot der Familie Berggruen, das Museum um rund 50 weitere Werke als Leihgaben zu ergänzen, hinfällig waren. Stattdessen überließ das Land Berlin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Grundstück und Gebäude, die nun die baulichen Voraussetzungen für ein erweitertes Museum Berggruen schafft.

Den entsprechenden Wettbewerb hatte 2008 das Berliner Architekturbüro Kuehn Malvezi gewonnen, das schon die Rieckhallen des Hamburger Bahnhofs für die Sammlung Flick umbaute und derzeit auch das Kunstgewerbemuseum am Kulturforum umgestaltet. Das Kommandantenhaus wird umfassend saniert und für den Museumsbedarf umgebaut, dadurch entstehen rund 1000 Quadratmeter neue Nutzfläche, so dass statt bisher 18 nach der Neueröffnung in beiden Häusern 28 Ausstellungsräume zur Verfügung stehen. Im Dachgeschoss wird es einen Multifunktionsraum geben, wie auch insgesamt die museumspädagogischen Möglichkeiten verbessert werden. Verbunden werden die beiden Häuser durch eine 22 Meter lange gläserne Pergola, eine transparente Stahlkonstruktion, die bei den dann geöffneten Toren vom Spandauer Damm aus einen freien Blick in den Skulpturengarten erlauben. Die vertraute Hängung mit den bislang 250 Werken der Sammlung wird neu geordnet und um die etwa 50 neuen Leihgaben, darunter Werke von Picasso, Matisse und Cézanne, ergänzt.

Berlin verdankt diese einzigartige Sammlung dem 2007 verstorbenen Kunstsammler Heinz Berggruen. 1914 in Berlin geboren, war er während der NS-Zeit emigriert und hatte im Ausland erfolgreich als Galerist gearbeitet. Mitte der neunziger Jahre kehrte er nach Berlin zurück und stellte seine Sammlung zunächst als Leihgabe zur Verfügung. 1965 verkaufte er 165 Werke an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz – weit unter Wert.

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