Berlin : Museumsinsel: Architekt beugt sich Kritik der Unesco

Chipperfield kündigt überarbeiteten Entwurf für neues Empfangsgebäude an. Denkmalschutz-Organisation Icomos lehnt Projekt als „fremdes Element“ ab

Lars von Törne

Eigentlich ist Michael Petzet von den Baufortschritten auf der Museumsinsel begeistert. Ausführlich lobt der Präsident der Unesco-Gutachterorganisation Icomos die Wiederherstellung der historischen Museumsbauten. Wenn er von dem modernen Glasbau spricht, den der Stararchitekt David Chipperfield entworfen hat, dann weicht die Begeisterung des Denkmalschützers aber einer tiefen Unzufriedenheit. Das als Teil des Masterplans vorgesehene zentrale Eingangsgebäude südlich des Pergamonmuseums kritisiert er als „fremdes Element“, das den „Dialog mit dem Vorhandenen“ vermissen lasse. Stattdessen sei der Bau „nur so hingeschachtelt“.

Seine Bedenken will Icomos-Präsident Petzet jetzt auch dem Welterbe-Komitee der Unesco mitteilen. Direkte Sanktionsmöglichkeiten gegen das Bauprojekt habe man zwar nicht. Aber die Unesco setze ohnehin eher auf den Dialog mit allen Beteiligten. So habe man bereits mit dem Büro Chipperfield gesprochen und von dort die Rückmeldung erhalten, dass die Architekten den Entwurf noch einmal überarbeiten werden: „Wir erwarten, dass nun Alternativentwürfe kommen.“

Das bestätigt Chipperfield-Sprecherin Nina Helten. „Das Haus soll in zeitgemäßer Architektursprache entstehen, aber auch der herausragenden Qualität der umgebenden historischen Museumsbauten Reverenz erweisen“, sagt sie. Grundsätzlich könne man auf einen Neubau von den geplanten Ausmaßen aber nicht verzichten. „Klar ist, dass ein Eingangsgebäude von zentraler Bedeutung ist, um den großen Mengen der Besucher einen angemessenen Empfang mit allen zentralen Serviceeinrichtungen zu bieten.“

Der Icomos-Präsident sieht das ähnlich. Er sei er nicht generell gegen einen Neubau, der als Eingang zu den alten Gebäuden fungiere, stellt Petzet klar. „Ein modernes Museum braucht auch neue Räume“, sagt der Denkmalschützer und lobt als Beispiel die Louvre-Pyramide, die er für eine gelungene Ergänzung des historischen Museumsbaus in Paris hält. Dem Berliner Chipperfield-Entwurf hingegen, der eine Hülle aus Glas und Stahl vorsieht, sehe man nicht einmal an, „dass er ein Haupteingang sein soll“. Das aus seiner Sicht misslungene geplante zentrale Erschließungsgebäude schmerzt Petzet umso mehr, weil er die bisherige Sanierung ansonsten für sehr gelungen hält. „Hier ist in vorbildlicher Weise das Weltkulturerbe erhalten worden“, lobt er die Wiederherstellungsarbeiten vor allem im Bodemuseum und im Neuen Museum.

Mit der Kontroverse um den Neubau rückt das ambitionierte Gesamtkonzept für die Museumsinsel möglicherweise weiter in die Ferne. Erst vergangene Woche hatte der Bundesrechnungshof seine Forderung wiederholt, 130 Millionen Euro bei der Sanierung der fünf Museen und bei der Erschließung des Areals einzusparen. Dazu müsse man nur „auf Neubauten verzichten“. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, hatte dies zurückgewiesen. Ohne das Chipperfield-Gebäude mit Cafés, Läden, Restaurants und Veranstaltungsräumen sei die Insel dem Ansturm von künftig vier Millionen Besuchern nicht gewachsen.

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