Berlin : Museumsinsel: Nach dem Eingang wird noch gesucht

Bei der Gestaltung des geplanten Empfangsgebäudes sollen auch die Einwände der Unesco berücksichtigt werden

Andreas Conrad

Auch für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) ist über die Gestaltung des neuen Empfangsgebäudes auf der Museumsinsel „das letzte Wort noch nicht gesprochen“. Man befinde sich mit dem Architekten David Chipperfield darüber im Gespräch – „aber wegen der späteren Realisierung nicht mit einem konkreten Zeitdruck“. So steht es in einer Stellungnahme zu den Einwänden, die von der Unesco-Gutachterorganisation Icomos erhoben worden waren. Das Haus werde in zeitgemäßer Architektursprache entstehen, aber auch der Qualität der historischen Museumsbauten Reverenz erweisen. Wie berichtet, hatte Michael Petzet, Präsident der deutschen Icomos-Organisation, den Entwurf des Empfangsgebäudes als „fremdes Element“ kritisiert, das den „Dialog mit dem Vorhandenen“ vermissen lasse. Der Bau sein „nur so hingeschachtelt“.

Der Brite David Chipperfield war 1997 nach einem mehrstufigen Architektenwettbewerb auf Grundlage eines Gutachterverfahrens mit dem Wiederaufbau des Neuen Museums beauftragt worden. Er koordiniert mittlerweile die Sanierung der gesamten Museumsinsel. Grundlage für das von ihm entworfene Empfangsgebäude ist der Masterplan, der auch vorsieht, die für den Museumskomplex erforderlichen Service- und Infrastrukturfunktionen in einem eigenen Gebäude zusammenzufassen. Dem stimmte der Stiftungsrat im Juni 1999 zu, auch das Landesdenkmalamt war einverstanden. Den Entwurf für das Empfangsgebäude in seiner jetzigen Form legte Chipperfield 2001 vor, der aber von den zuständigen Gremien „aus finanziellen Gründen nicht behandelt wurde“, wie es von Seiten der SPK heißt. Die Stiftung habe das Baugeschehen so organisiert, dass zunächst die historischen Gebäude saniert werden und danach die Ergänzungsbauten entstehen.

Die Einwände der Icomos gegen den Neubau in seiner aktuellen Form – einen Baukörper aus mehreren ineinander verschachtelten Quadern mit viel Glas – sind nicht neu, sondern wurden von Icomos-Chef Michael Petzet schon mehrfach angesprochen, zuletzt bei einer Baustellenbegehung im Frühjahr dieses Jahres. Ungeklärt ist für ihn weiterhin, ob der Neubau Durchblicke auf die historischen Bauten erlaube, auch sei der eigentliche Eingang nicht klar ersichtlich. In der Regel werde seine Institution nicht von sich aus tätig, sondern reagiere nur, vor allem wenn es zu konkreten Projekten Beschwerden beim Welterbezentrum der Unesco in Paris gebe und dieses dann um eine Stellungnahme bitte.

Auch zum Wiederaufbau des Neuen Museums hatte es solche Beschwerden gegeben. Die Icomos war 2004 zu einer Stellungnahme aufgefordert worden, hatte sich bei einer Begehung der Baustelle aber vom Chipperfieldschen Konzept überzeugen lassen – wie Petzet überhaupt die Sanierung der Museumsinsel sehr lobt und auch an der Notwendigkeit eines neuen Empfangsgebäudes nicht zweifelt. Nur die Ausgestaltung findet seine Kritik, die bislang aber nicht detailliert und auch nicht in einer offiziellen Stellungnahme erhoben wurde. Durch das Architektenbüro sei er immer wieder mit dem Hinweis beruhigt worden, es sei noch nichts spruchreif. Aber sein Einwand bleibt bestehen: „Das Ganze stimmt einfach nicht.“

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