Museumsinsel : Protest gegen die Warteschleife

Für den Senat und die Museen ist es die Ideallösung – für den Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen dagegen der „absolute Schwachsinn“: das Konzept für die künftige Verkehrsführung an der Museumsinsel und dem Humboldtforum.

Klaus Kurpjuweit
268950_0_1e9fd85a.jpg
Wie sollen Reisegruppen künftig zur Museumsinsel gelangen? Der Busunternehmerverband bezeichnet das Senatskonzept als "absoluten...Foto: promo/THtreibhaus

BerlinFür den Senat und die Museen ist es die Ideallösung – für den Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) dagegen der „absolute Schwachsinn“: das Konzept für die künftige Verkehrsführung an der Museumsinsel und dem Humboldtforum. Während BDO-Sprecher Martin Kaßler die Reglementierung für Reisebusse als „nicht umsetzbar“ bezeichnet, sieht die Stadtentwicklungsverwaltung in ihrer Lösung weiter „ein sehr vernünftiges Konzept“, das mit den Museen abgestimmt sei. Demnach sollen sich, wie berichtet, Fahrer von Reisebussen von unterwegs bei den Museen anmelden, die ihnen dann ein „Zeitfenster“ zuteilen, in dem sie ihre Fahrgäste aussteigen lassen können. Darauf, wie das konkret passieren soll und welches Personal dafür notwendig ist, gibt es weder vom Museum noch vom Senat eine Antwort. Anschließend sollen sich die Busfahrer einen Parkplatz in der Umgebung suchen, bis sie ihre Passagiere wieder aufnehmen dürfen. Nach den Vorgaben sollen nicht mehr als zwei Reisebusse gleichzeitig an den Halteplätzen stehen. Nur bei großem Bedarf sind fünf weitere Halteplätze vorgesehen.

Die Museumsinsel - Ein Überblick
123111_1_0000_Bild-01_ddp.jpgWeitere Bilder anzeigen
1 von 33Foto: ddp
25.01.2011 09:25Einzigartig in der deutschen wie europäischen Kulturlandschaft: die Berliner Museumsinsel. 1830 öffnete hier mit dem Alten Museum...


Halten sollen die Busse auf der Bodestraße zwischen dem Alten und dem Neuen Museum sowie dem künftigen zentralen Eingangsgebäude. Die Zufahrt wird nach dem Konzept durch versenkbare Poller versperrt sein und nur für berechtigte Busse geöffnet. Angemeldete Busse sollen über das zuvor durchgegebene Kennzeichen per Kamera identifiziert werden. Hierfür will man modernste Technik einsetzen, die aber noch entwickelt werden muss. Ein derart aufwändiges System sei Verschwendung von Steuergeldern, kritisiert BDO-Sprecher Kaßler. Vor allem bei Bussen aus dem Ausland werde es kaum möglich sein, das vorherige Anmelden durchzusetzen. Schwierig werde auch, den Fahrern eine Ankunftszeit fest vorzuschreiben. Verkehrsplaner Heribert Guggenthaler aus der Stadtentwicklungsverwaltung verweist dagegen darauf, dass dieses Verfahren bereits erfolgreich in Paris und London funktioniere.

Es dürfe keine Nachteile für Reisebusse geben, weil Berlin auf diesen Tourismus angewiesen sei, sagt Christian Tänzler von der Berlin Tourismus Marketing. Praktikabel ist für Kaßler dagegen das „Terminalsystem“, bei dem die Fahrer – unreglementiert – Fahrgäste aussteigen lassen und dann zu einem Parkplatz in der Umgebung fahren. Platz zum Abstellen gibt es nach Angaben der Verwaltung reichlich. Die Flächen sollen per Kamera überwacht werden, so dass die Fahrer bei der Abfahrt wissen, wo etwas frei ist.

Hinweise auf Abstellflächen für Busse sind auf den Berlin-Seiten im Internet allerdings schwerer zu finden als etwa in Hamburg oder München. So blieb bisher der Zentrale Abstellplatz für Busse auf dem Moabiter Werder beim Kanzleramt meist unbekannt – und ungenutzt.

Kritik am Senatskonzept gibt es auch wegen der Verkehrsführung für Autos, die weiter auf der Karl-Liebknecht-Straße fahren sollen, die die Museumsinsel vom künftigen Humboldtforum trennt. Die Anlage einer Fußgängerzone, wie es der ADAC vorgeschlagen hatte, lehnt der Senat ab. Die Planer wollen stattdessen die Straße nur auf rund 200 Metern aufpflastern und den Übergang für Fußgänger durch Ampeln sichern. Den Vorschlag der CDU, hier eine Fußgängerbrücke zu bauen, lehnt der Senat ebenso ab wie den Bau eines Fußgängertunnels. Eine Brücke sei städtebaulich fragwürdig und das Verbannen von Fußgängern unter die Erde planerisch antiquiert, heißt es bei der Stadtentwicklungsverwaltung. 

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben