Berlin : Museumsinsel: Zentraler Eingang soll 2009 in Bau gehen

Architekt Chipperfield will in den kommenden Monaten seinen kritisierten Entwurf überarbeiten

Bernhard Schulz

Die Entscheidung fiel so überraschend, dass zunächst einmal – nichts passiert. Am 9. November konnte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz „mit Freude“ vermelden, dass die Haushälter des Bundestages 73 Millionen Euro für die Errichtung des zentralen Eingangsgebäudes der Museumsinsel bewilligt hatten. Unterdessen sind die ersten Gelder in den Bundeshaushalt des kommenden Jahres eingestellt worden. So wird denn auch das Büro des Londoner Architekten David Chipperfield, der bereits 1997 den Wettbewerb zur Gestaltung des Eingangsgebäudes gewann, erst Anfang 2007 „mit ersten Entwurfsstudien die eigentliche Umplanung vorbereiten“, wie seine Berliner Dependance mitteilte. Der offizielle Umplanungsauftrag werde für das späte Frühjahr kommenden Jahres erwartet. „Nach erster Einschätzung ist ein Baubeginn für 2009, die Fertigstellung für 2012 anvisiert“.

Ursprünglich wollten sich die Bundestags-Haushälter erst nach der Bewilligung aller Sanierungsmaßnahmen auf der Museumsinsel, also voraussichtlich gegen 2011, mit dem Neubau befassen. Unlängst erst wurden 353 Millionen Euro für die Sanierung und Vollendung des Pergamon-Museums bewilligt, für das der Kölner Architekt Oswald Mathias Ungers einen gläsernen Querriegel entlang des Kupfergrabens plant. Die Entscheidung über die Sanierung des Alten Museums steht noch aus. Die Staatlichen Museen machten jedoch stets geltend, dass das zentrale Eingangsgebäude angesichts des beständig wachsenden Besucherzustromes dringend benötigt werde. Nach der Eröffnung des Bode-Museums vor zwei Monaten soll bereits 2008 das hinter dem geplanten Eingangsgebäude liegende, im Krieg weitgehend zerstörte Neue Museum wiedereröffnet werden. Es wird das Ägyptische Museum beherbergen, dessen Schätze bis dahin im Alten Museum gezeigt werden.

An der kubischen Gestalt des glasverkleideten Chipperfield-Entwurfs ist verschiedentlich Kritik geäußert worden. Bislang hieß es von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Trägerin der Staatlichen Museen, hinsichtlich der Gestaltung werde mit dem Architekten noch gesprochen, doch „wegen der späteren Realisierung nicht unter einem konkreten Zeitdruck“. Der ist mit der Entscheidung des Bundestages nunmehr eingetreten. Im Frühjahr 2007 dürfte es neuerlich heftige Diskussionen über die Museumsinsel geben. Sie steht auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes: Alle Baumaßnahmen müssen das Einverständnis der Welterbe-Kommission finden. Dass ein Neubau vorgesehen ist, hat die Unesco jedoch von Anfang an abgesegnet – es war dies Teil des Berliner Aufnahmeantrags. Nun kommt es auf die Details der Gestaltung an.

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