Berlin : Museumsspione gesucht

Chormusik bei alten Meistern, Rotwein im Foyer: Ein feierlicher Abend in der Gemäldegalerie zeigte, was man aus Berlins Ausstellungen alles machen kann

Elisabeth Binder

Die heilige Cäcilie muss ein ziemlich rötliches Gesicht gehabt haben und eine Tendenz zum Pummeligen. Das jedenfalls legen einige Porträts der Schutzpatronin der Musik nahe, die derzeit in der Ausstellung „Pracht und Pathos“ zu sehen sind. Diese Ausstellung wiederum zeigt Meisterwerke der Barockmalerei und kann in der Gemäldegalerie besichtigt werden, leider meistens ohne Soundtrack.

Wie schade das ist, können nur diejenigen ermessen, die das Glück hatten, beim vorweihnachtlichen Abend für Mitglieder und Freunde des Kaiser-Friedrich-Museums-Vereins dabei zu sein, also Leute wie die Wohltäterin Barbara Monheim, der Mäzen Erich Marx oder auch die Unternehmensberaterin Gabriele Wiechatzek.

In diesem Kreis hätte sich die ebenso rührige wie inspirierte stellvertretende Vereinsvorsitzende Anna-Maria Erlen gar keine Entschuldigungen ausdenken müssen, warum es dieses Jahr keinen Weihnachtsbaum gab in der Wandelgalerie. Da waren ja, ebenfalls in einer Sonderausstellung, diesmal auch noch Skulpturen zu sehen. Als nach dem ausführlichen Vortrag von Professor Rudolf Preimesberger über sein Lieblingsbild (Giovanni Benedetto Castiglioni: Geburt Christi) endlich der Belcanto-Chor in der Wandelhalle seine weihnachtlichen Lieder anstimmte, bekam man eine erste Ahnung davon, wie schön es ist, Bilder und Musik gleichzeitig zu genießen.

Okay, „In dulci jubilo“ passt vielleicht nicht unbedingt zu antiken Göttern wie Merkur und Diana und sicher auch nicht zu sinnenfreudigen Tänzerinnen, auch wenn sie noch so schön gemeißelte Gesichter haben. Aber zu Bacchus passt es doch, schon weil der so einen verschmitzt versonnenen Gesichtsausdruck hat.

Und zu den frommen Bildern in den angrenzenden Räumen passt es auch sehr gut. Im Moment gibt es da zusätzlich die Ausstellung „Flügelschlag. Engel in der Kunst“ zu sehen. Neben Amor, geflügelten Putti und Engeln der mythologischen Geschichten sind auch extrem weihnachtliche Engel zu sehen, der Erzengel Gabriel zum Beispiel. Es gibt allerdings auch eher österliche Engel, wie zum Beispiel den, der so besorgt auf den betenden Christus guckt, während er ihm einen leicht erhöhten Kelch zeigt. Aber da ist der Chor schon an der Stelle angelangt, wo es heißt „Alpha est et O“, und also wieder auf übergreifendem, nicht spezifisch weihnachtlichem Terrain.

Man begreift jedenfalls überhaupt nicht, warum sie das nicht jeden Tag für jedermann machen. Die Mäzene, das sei, um den Neid jetzt richtig anzustacheln, bekamen in den Nebenräumen auch noch ein Fagott-Duo zu hören, während sie sich, um nur ein Beispiel zu nennen, in die Pracht eines Genueser Gartenfestes um 1730 versenkten. Und am Ende durften sie sogar noch Wein trinken, dies allerdings im Foyer, wo nichts kaputt gehen kann.

Es war ein sehr schöner Abend und man kann nur hoffen, dass die Kreativabteilungen der Berliner Museen viele Spione geschickt hatten und dass jetzt überall die Köpfe rauchen und Fragen wie die folgenden diskutiert werden. Was passt zu moderner Kunst? (Das ist einfach: Zwölftonmusik!). Wie viel darf der Wein kosten, den man im Foyer anbietet? (Auch einfach. Nicht zu viel, denn Kunstfreunde sind oft arm.) Ist das nicht alles viel zu schwierig, weil man ja weder Geld noch Personal hat? (Supereinfach: Nein!) Das mit dem Geld und dem Personal ist meistens Ausrede.

Die Mitarbeiter der Kreativabteilungen könnten zum Beispiel, durch die Stadt wandern und die besten Straßenmusikanten einfangen. Denen könnten sie sagen, sie dürfen im Trockenen spielen und hätten die Chance, von den Kulturfreunden ein paar Euro extra zu kriegen, und außerdem hätten sie auch noch die Chance von echten Mäzenen entdeckt zu werden.

Und was den Rest betrifft: In den meisten Museen verkaufen sie Wasser in der Caféteria. Das ist doch schon mal ein Anfang. Wenn man dann noch mal kurz den Bacchus anschaut, erkennt man sofort, was fehlte bisher. Wein schmeckt viel besser. Auch wenn er rote Gesichter und eine gewisse Pummeligkeit verursacht.

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