• Musical von Schülern als Beispiel für praktischen Unterricht - Verein "Plus" lobt Förderpreis aus

Berlin : Musical von Schülern als Beispiel für praktischen Unterricht - Verein "Plus" lobt Förderpreis aus

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Charlottenburg / Neukölln. Das Ziehen eines Zahns war eine vertrackte Sache im Mittelalter. Hilfe versprachen Quacksalber auf dem Markt. Wenn auch ihre Künste nichts brachten, blieb nur der Weg zur Kräuterhexe. Über derartige Nöte, aber auch über den Liebeskummer am Hofe König Arthurs und über Für und Wider des Klosterdaseins wissen rund 80 Schüler der Neuköllner Lisa-Tetzner-Grundschule ihre Lieder zu singen. Im Renaissance-Theater an der Hardenbergstraße führten sie gestern ihr Stück "Adelheid und Eisenherz" auf - ein Mittelalter-Musical mit Chor und Tänzern. Etwa ein Jahr wurde es geprobt. Das Stück gilt als gelungenes Beispiel für "praktisches Lernen".

Im Unterricht mehr über das echte Leben zu vermitteln und nicht nur abstraktes Wissen, ist das Ziel des Fördervereins "Praktisches Lernen und Schule" (Plus), der rund tausend Schüler und Lehrer zu der Aufführung geladen hatte. Der Verein eröffnete damit die Bewerbungsfrist für einen vom Domino-Verlag gestifteten Förderpreis über 10 000 Mark. Im kommenden Herbst sollen damit Projekte von Klassen oder schulischen Arbeitsgemeinschaften ausgezeichnet werden, in denen Schüler viel praktisches Wissen erfahren. Unterstützt wird dies von der Senatsschulverwaltung.

Im herkömmlichen Unterricht würde das Leben in der Regel "aus Flaschen gezogen", sagt der Vorsitzende des Vereins Thomas Nix. Sein Ziel sei die Förderung von Lehrformen, durch die die Schüler eigene Erfahrungen sammelten. "Mitmachen ist besser als abschreiben", sagt Nix. Sein "reformpädagogischer Ansatz" verbessere auch die Motivation der Schüler. 30 Projekte zeichnete der Verein Anfang November aus. In einem wurde im Lateinunterricht Pompeji als Modell nachgebaut, in einem stellten Schüler Goethes Chemie-Experimente nach, in einem gründeten sie eine "Schülerfirma".

Das Stück Adelheid und Eisenherz war ursprünglich Teil des Unterrichts einer vierten Klasse. Die Schüler beschlossen, Themen wie Zünfte, Ritter oder Klöster in gespielten Szenen zu behandeln. Mit viel Engagement von Eltern, Schülern und Lehrern in und außerhalb des regulären Unterrichts wurde das Musical daraus. Ihm sei es nicht darum gegangen, lauter Schauspieler zu erziehen, sagt der Leiter des Stücks, Michael Assies. Durch das Spielen hätten die Kinders das Mittelalter aber vielschichtiger erfahren als allein durch das Lernen eines Gedichts.Bewerbung mit Kurzbeschreibung bis zum 30. April an Plus, Auguste-Viktoria-Allee 37, 13403 Berlin. Tel.: 41 70 24 10.

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